Kurz nach den Angriffen auf Freiheit und Demokratie in Paris, mit vielen unschuldigen Opfern, ist es schwer, sich auf das Kölner kulturpolitische Kleinklein zu beschränken. Zu popelig wirkt dieses gegenüber der Wirkungsmacht der kriegerischen Realität in einem Nachbarland, mit dem Deutschland sehr freundschaftlich verbunden ist.
Ähnlich mochten die Kölner Opernintendantin Birgit Meyer und der neue Kölner Generalmusikdirektor Francois-Xavier Roth empfunden haben, die der Eröffnungspremiere „Benvenuto Cellini“ von Hector Berlioz im Staatenhaus, am 15. November, eine durch das Gürzenich-Orchester gespielte Version der französischen Nationalhymne „Marseillaise“ voranstellten. Aus Solidarität mit den Opfern und um die Kleinheit der eigenen Veranstaltung gegenüber dem großen weltpolitischen Ereignis selber noch mal zu markieren. Sicherlich die einzig mögliche Entscheidung, um die Eröffnung der Opernsaison 2015/16 nicht gleich wieder abzusagen. Und sie ist weit mehr als richtig: Gerade die Kultur kann ein effektives, waffenfreies Mittel im Kampf gegen verblendete Fanatiker sein, die sich oft vom Rande westlicher Gesellschaften und Großstädte, aus aussichtloser persönlicher Perspektive heraus, einer Terrormiliz wie dem Islamischen Staat anschließen. Dieser entlohnt mit Dollars und persönlicher Aufwertung. Es handelt sich weder um eine Naturgewalt, von der wir hier heimgesucht werden, noch handelt es sich um Glaubenskrieger einer friedlichen Religion wie der des Islam, sondern es handelt sich vorrangig um eine Konfrontation mit den eigenen ungelösten sozialen und kulturellen Problemen innerhalb der westlichen Gesellschaften. Wir schauen in unsere eigene Fratze.
Vor diesem Hintergrund, sollten wir den Blick dann doch wieder auf die Kleinheit einer Kölner Kulturszene richten. Denn hier liegt zumindest für eine deutsche Millionenstadt und europäische Metropole ein Lösungsansatz durch intensive Sozialarbeit, kulturelle Projekte und Bildung, Menschen mit Migrationshintergrund und ggf. auch mit Radikalisierungspotential von den kulturellen Werten und der Integrationskraft Europas, Deutschlands und Kölns zu überzeugen. Wie soll dies gelingen, wenn wir selber nicht daran glauben? Wenn wir die Deutungshoheit über unsere Werte Pegida oder Hogesa überlassen? Wenn wir Sozialarbeit in Problemvierteln, schulische und kulturelle Bildung und auch die Hochkultur so stiefmütterlich behandeln wie seit der Jahrtausendwende? Wie wollen wir diesen Kampf gewinnen, wenn wir nicht alles dafür einsetzen, dass unsere Werte auch zu den Rändern unserer Gesellschaft und in Parallelgesellschaften vordringen – als attraktives Angebot, nicht als Dogma. Seit längerem festigt sich der Eindruck, dass unsere Gesellschaft den Kampf, einem kleinkarierten Spardogma folgend, verloren gegeben hat. Und so ist es nicht der Islamische Staat, der für uns eine unüberwindliche Gefahr darstellt. Es ist der fehlende eigene Standpunkt, der Glaube an eigene gesellschaftliche und kulturelle Werte, die fahrlässig auf dem Altar kapitalistischer Ökonomie geopfert werden. Gelingt es hier nicht, schnell gegenzusteuern und neue Stärke aufzubauen, dann wird es eng, Michel Houellebecq hat es in „Unterwerfung“ beschrieben, dann nützen einem auch keine Rekordzahlen deutscher Exporte, dann bleibt nur, das Wort „Krieg“ wirklich in den Mund zu nehmen.
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