Gerade erst wurde das Afrika Film Festival Köln von den European Enterprise Awards 2022 als „Europas bestes afrikanisches Filmfestival“ ausgezeichnet. Die 20. Ausgabe startet am 14. September mit Alain Kassandas Dokumentarfilm „Coconut Head Generation“ über Nigerias Studentenbewegung. Am 19.9. läuft im Programm auch die Co-Produktion „Augure“, die gerade von Belgien ins Oscar-Rennen geschickt wurde.
choices: Sebastian, was bedeutet es dir, „Europas bestes afrikanisches Filmfestival“ zu leiten?
Natürlich freut es uns, solch einen Preis zu bekommen. Jedoch leite ich das Festival nicht allein. Es ist immer Teamwork und ohne mein großartiges Team wäre solch ein Festival in dieser Form nicht durchführbar. Für uns ist und bleibt es das Wichtigste, dass sich die eingeladenen Gäste rundum wohlfühlen. Wir legen einen besonderen Fokus auf ein familiäres, freundschaftliches Miteinander und wollen den anwesenden Gästen möglichst viel Zeit für den Austausch mit dem Publikum ermöglichen.
Wenn ich mich an die letzten Jahre erinnere, war das Festival immer seiner Zeit voraus. Beispielsweise wurden in vielen Filmen früh Migrationsschicksale oder das Leben in der Diaspora thematisiert. Hast du das Festival diesbezüglich auch als Seismograf wahrgenommen?
Afrikanische Filmschaffende haben sich schon immer früh mit Themen auseinandergesetzt, die erst viele Jahre später hierzulande aufgegriffen wurden. Und ich glaube, das spiegelt sich auch jährlich in unserem Programm wider. Uns ist es ein großes Anliegen, Themen wie Migration aus einer authentischen Perspektive erlebbar zu machen und zu differenzieren. So wird beispielsweise immer nur von Migration nach Europa gesprochen, dass über 90 Prozent der Migration jedoch innerhalb des afrikanischen Kontinents stattfindet, wird verschwiegen.
Wo liegen dieses Jahr die Schwerpunkte? Gibt es Themen, die deutlich herausstechen – auch angesichts neuer Konflikte oder einer zunehmenden politischen Vereinnahmung Afrikas von außen?
Art & Activism ist der diesjährige Schwerpunkt des Festivals. In diversen Filmscreenings und Diskussionsveranstaltungen zeigen wir, wie afrikanische Filmemacher:innen auf dem Kontinent und in der Diaspora sich mit den kritischen Fragen unseres Jahrhunderts beschäftigen, indem sie sich mit Themen wie Klasse, Geschlecht, Umwelt, Diskriminierung und Arbeit auseinandersetzen. Wir möchten das Engagement jener, die durch die Kunst des Storytellings auf soziale Themen und Ungleichheiten aufmerksam machen, würdigen.
Festival:leiterinnen müssen sich auch mit den Finanzen herumschlagen, wie man gerade in Berlin sieht. Wie gelingt dir der Spagat zwischen der Kunst, also der konkreten Programmarbeit mit der Einladung zahlreicher Filmemacher:innen, und dem Geld?
Ich empfand es noch nie so anstrengend wie in diesem Jahr, und ich wusste lange nicht, ob die notwendigen Mittel wirklich kommen. Die bürokratischen Hürden sind eher gestiegen, wir mussten noch nie so viele Anträge stellen wie in diesem Jahr und die ehrenamtliche Arbeit steigt stetig an. Im Vergleich zu vielen anderen Festivals fehlt es uns weiterhin an Anerkennung auf vielen Entscheidungsebenen, die Finanzierung wird immer schwieriger. Unser Fokus liegt auf afrikanischen Filmschaffenden, bei vielen Förderern fällt man dadurch durch das Raster, da wir keine „deutsche“ oder „europäische“ Filmkultur präsentieren. Ich finde jedoch, dass gerade solche Festivals heutzutage extrem wichtig sind, um Vorurteile abzubauen und einen Ort der Begegnung und des Austauschs auf Augenhöhe zu ermöglichen.
(Dieser Text erschien zuerst in unserem choices-Newsletter Meine Filmwoche. Hier abonnieren.)
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