Auch wenn es in Köln glücklicherweise keinen Adolf-Hitler-Platz mehr gibt, ist die Stadt gespickt mit fragwürdigen Bezügen zu Herrschaftstagen, in denen die Menschenwürde mit Füßen getreten wurde. Militärische Repräsentanten des 19. Jahrhunderts wie der Preußische Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke (ein früher Befürworter der deutschen Expansion nach Übersee), Kaiser Wilhelm I. oder die Offiziere Karl Freiherr von Gravenreuth und Hermann von Wissmann, die im Zuge der Kolonialisierung von Ostafrika zu Ansehen kamen, nehmen nach wie vor am öffentlichen Erscheinungsbild einer Metropole teil, die für sich den Anspruch erhebt, tolerant, friedlich und weltoffen zu sein. Hinsichtlich der Perspektive auf die nationale Vergangenheit erscheint dies so manchem Besucher als blanker Zynismus. Beispiele wie die Mohrenstraße, das an den in China blutig niedergeschlagenen antiimperialistischen Aufstand aus dem Jahr 1900 erinnernde Kanonenboot Iltis (Iltisstraße) oder die Usambarastraße, deren Name sich an einen Gebirgszug in Tansania anlehnt und ebenfalls Rückbezüge zur deutschen Kolonialgeschichte in Ost-Afrika aufweist, buchstabieren direkt oder indirekt die Namen von Unterdrückern, Ausbeutern und wirtschaftlichen Profiteuren im Deckmantel der Zivilisation.
Mittlerweile wird an einigen Standorten auf den historischen Kontext mit Infotafeln hingewiesen, doch zu einer Umbenennung wollten sich die Entscheidungsträger bisher nicht verpflichten. Auf Initiative von Bündnis 90/Die Grünen beschloss der Ausschuss Allgemeine Verwaltung, Recht, Vergabe und Internationales nun eine aktualisierte Fassung der Richtlinie für die Neu- und Umbenennung von Straßen und Plätzen. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, 2022 einen Richtlinienentwurf auszuarbeiten und den politischen Gremien vorzulegen. Zudem soll der Gender-Gerechtigkeit mittels verstärkter Berücksichtigung von Frauennamen Sorge getragen werden. Die Ernennung bleibe weiterhin Zuständigkeit der jeweiligen Bezirksvertretungen, erklärt der Ordnungspolitische Sprecher der Grünen, Manfred Richter. Wann es zur Umsetzung der Maßnahmen kommt, ist noch ungewiss. „Die Umbenennung von Straßen ist ein längerer Prozess zwischen Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft. Ich rechne mit ersten Initiativen in 2023“, sagt Richter. Das Kölner Presseamt weist zudem darauf hin, dass im Zuge des Prozesses eine Anwohnerbefragung notwendig sei. Die mit den Veränderungen verbundenen Kosten inklusive eventueller Klagen von langjährig ansässigen Geschäftsinhabern könne man derzeit nicht abschätzen, da es hierfür keine Erfahrungswerte gebe.
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