Was liefert – neben Romanen, Comics und Fernsehserien – die meisten Vorlagen für Kinofilme? Genau, das Leben selbst. Vor allem das von berühmten Menschen. Biopics erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit bei Publikum und Regisseuren, und auch Dokumentarfilmer versuchen immer wieder, das besondere Etwas einer prominenten Person einzufangen. Außer Politiker oder Royals stehen dabei häufig Künstler im Mittelpunkt. Kein Wunder, lässt sich das Genie des Kreativen und seines Werks doch so viel sinnlicher nachvollziehen als in einer gedruckten Biografie, wenn man die Bilder eines Malers oder Fotografen auf einer übergroßen Projektionsfläche betrachtet, mittels Dolby Surround in die Klangwelten eines Musikers eintaucht, ja vielleicht sogar den Kuss der Muse miterleben kann. Und natürlich liefern die Lebensläufe dieser schöpferisch Begabten häufig zwischenmenschliche Dramen frei Haus mit.
Schade nur, dass so viele biografische Spielfilme nach bewährten Schnittmustern vorgehen, die dem Porträtierten nicht ansatzweise gerecht werden. In solchen Fällen müssen sich weder die Macher noch ihr Publikum sonderlich anstrengen. Die (zu Recht vergessene) Komödie „Walk Hard: Die Dewey Cox Story“ persiflierte das übliche Abhaken von biografischen Stationen 2007 simpel aber treffend: Einstieg mit großem finalen Auftritt, Sprung zurück in die schwere Kindheit, sodann Triumphzug vom Tellerwäscher zum Millionär. Verstorbene Legenden können sich schlecht wehren.
Diesen Monat kommen außergewöhnlich viele Künstlerporträts ins Kino, und die gute Nachricht ist, dass darunter auch außerordentlich gelungene Filme sind. „Die Tänzerin“, ein Spielfilm, der uns mit Loie Fuller und ihren avantgardistischen „Danses Serpentines“ bekannt macht, erfreut durch Mut zur Lücke und dem Bestreben, die Leidenschaft der Protagonistin für ihre Kunst in Kinobilder zu übersetzen. Der Dokumentarfilm „Mapplethorpe: Look at the Pictures“ bringt uns postum den berühmten US-Fotografen näher, während es Corinna Belz („Gerhard Richter Painting“) mit ihrer Langzeitbeobachtung „Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte“ gelingt, das Vertrauen des scheuen Literaten zu gewinnen.
Und natürlich Florence Foster Jenkins. Die als schlechteste Sängerin aller Zeiten verspottete wie verehrte Amerikanerin diente bereits 2015 als Inspiration für „Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“. Während das Biopic mit Catherine Frot noch oberflächlich auf der Grenze von Komödie und Drama eierte, fällt es nun bei Stephen Frears' einfühlsamem wie entlarvendem Drama mit Meryl Streep schwer, über diese Frau zu lachen, der niemand die Wahrheit sagte. Die dokumentarisch-essayistische Ergänzung dazu bietet „Die Florence Foster Jenkins Story“ bereits zwei Startwochen zuvor. Womit das Sujet erschöpfend behandelt sein dürfte und man sich doppelt verbeugen kann vor dem Mut einer Künstlerin mit dem sehr pragmatischen Motto: „Die Leute können vielleicht behaupten, dass ich nicht singen kann. Aber niemand kann behaupten, dass ich nicht gesungen hätte.“
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