Dienstag, 2. Dezember: Für die Regisseurin Regina Schilling hatte die Vorpremiere ihres neuen Films „Titos Brille“ im Kölner Odeon-Kino eine ganz besondere persönliche Note. Im voll besetzten Kinosaal erläuterte sie: „Ich bin eine Kölner Südstadtpflanze und habe hier über 20 Jahre gelebt.“ Deswegen war das Kino im Severinsviertel genau die richtige Wahl für diese Veranstaltung. Ihr Produzent Thomas Kufus zeigte sich besonders begeistert, dass man mit der Verfilmung von Adriana Altaras’ gleichnamigem Bestseller beim Berliner „X Verleih“ landen konnte, da dieser ansonsten eher selten Dokumentarfilme im Programm hat. Mit bundesweit rund 40 Kopien im Einsatz ist das für „Titos Brille“ auch eine sehr respektable Bilanz. Der Film wurde in Köln im Rahmen einer Veranstaltung der filmsociety vorgestellt, die Moderation des Abends übernahm deren frisch hinzugekommene Mitarbeiterin Jessica Düster. Für die stellte sich nach der Projektion zunächst einmal die Frage, ob Adriana Altaras mittlerweile ihre Dibbuks, die jüdischen Totengeister, losgeworden sei. Mehrdeutig antwortete die Schauspielerin und Autorin darauf: „Sie kommen, wenn ich sie rufe.“
Für die 1960 im jugoslawischen Zagreb geborene Altaras stellte „Titos Brille“ eine ganz persönliche Vergangenheitsbewältigung dar. Dabei waren sowohl das Buch als auch dessen filmische Umsetzung zunächst gar nicht ihre eigene Idee. Helge Malchow, Verleger bei Kiepenheuer & Witsch, konnte Altaras schon vor 15 Jahren dazu überreden, die Geschichte ihrer Familie zu Papier zu bringen. Und dessen Lebensgefährtin Regina Schilling war nun die treibende Kraft hinter der Kinoadaption. Die ersten Zeilen schrieb Altaras noch zu einer Zeit, als ihre Eltern noch am Leben waren. Als das Buch schließlich Anfang 2011 erschien, waren beide bereits tot, und ihre Dibbuks im Leben Adrianas allgegenwärtig. Regina Schilling hatte schon das Vorlektorat zu „Titos Brille“ übernommen, weswegen sie mit der Geschichte und der Autorin seit vielen Jahren vertraut war. Die gemeinsame filmische Wiederbegegnung mit Stationen aus Altaras’ bewegter Familienchronik stellte trotzdem beide vor gewaltige Herausforderungen. „Die Dramaturgie eines großen Road Movies ist strenger, als ich am Anfang gedacht hatte“, gestand Schilling dem Kölner Publikum. Aber sie konnte sich bei der Realisierung auf ihre treuen Mitstreiter verlassen, von denen sie insbesondere Johann Feindt, den Kameramann, und Jamin Benazzouz, ihren Editor, namentlich erwähnte, die allerdings beide nicht persönlich anwesend sein konnten.
Adriana Altaras ergänzte: „Alleine hätte ich diese Reise nie gemacht, das Buch war komplett aus meinen Erinnerungen heraus entstanden.“ Mit Unterstützung durch Regina Schilling und das Filmteam war es der jüdischen Schauspielerin sogar möglich, das Konzentrationslager zu besuchen, in dem ihre Verwandten Anfang der 40er Jahre inhaftiert gewesen waren. Die Regisseurin ist sich sicher, dass sie an jenem Tag Altaras ausschließlich als Freundin und nicht als Filmemacherin begleitete, was es überhaupt erst ermöglichte, dass das emotionale Gespräch zustande kam, das man nun in „Titos Brille“ sieht. Der klapprige alte Mercedes von Altaras’ Vater, mit dem die über 1000 Kilometer lange Strecke von Berlin nach Zagreb zurückgelegt wurde, ist übrigens mittlerweile verkauft. Denn dass er immer mal wieder nicht ansprang, war nicht extra für den Film erfunden worden. Dass aus Adriana Altaras’ druckfrischem zweiten Buch „Doitscha – Eine jüdische Mutter packt aus“ kein Film werden wird, darüber waren sich alle Anwesenden unabhängig voneinander allerdings sofort einig.
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