Die aktuelle, kulturgeschichtlich angelegte Ausstellung im KOLUMBA hat faszinierende ästhetische Erlebnisse und schier unzählige Informationen zu bieten; die Architektur gibt den Takt vor, indem die Räume mitsamt der tunnelartig aufsteigenden Treppen wie ein Sog konzipiert sind. Wie gut, dass bei der Fülle der aus unterschiedlichen Bereichen stammenden Exponate nicht alles verstanden werden muss – es gibt auch diesmal keine Beschriftungen, sondern ein ausführliches Begleitbüchlein. Hintergrund der Ausstellung „In die Weite“ ist das 1700-jährige Jubiläum jüdischen Lebens in Deutschland. Das Jubiläum leitet sich vom ältesten Beleg in Köln ab: einem Erlass Kaiser Konstantins aus dem Jahr 321. Zur Eröffnung der Ausstellung konnte die früheste erhaltene Abschrift aus der vatikanischen Bibliothek für einige Wochen gezeigt werden. Auch weiterhin wechselt die Präsentation während der einjährigen Laufzeit an einzelnen Stellen, so ist jetzt die Pergamentrolle Megillah (1746) hinzugekommen, die auf einer Länge von sieben Metern die alttestamentarische Errettung der persischen Juden durch Esther erzählt.
Es war schon immer spannend, wie sich das KOLUMBA als Museum des Erzbistums Köln zum heutigen Leben hin öffnet und Vergangenheit und Gegenwart mit sakraler und alter Kunst und Kultur, liturgischen Gegenständen, Design- und Alltagsobjekten und mit zeitgenössischer Kunst verwebt. In der aktuellen, als Kooperation mit dem MiQua durchgeführten Ausstellung liegt der Schwerpunkt nun auf Exponaten aus der jüdischen Geschichte und ihrer Dokumentation, auf dem Ritus und dem Alltag über die Jahrhunderte hinweg und auf der Kultur. So sind vom Komponisten Arnold Schönberg Reinschriftpartikel seiner Oper „Moses und Aron“ und von Curt Herzstark eine Rechenmaschine ausgestellt. Der Maler Frederic Matys Thursz ist unter anderem mit seinem gegenstandslosen Gemälde „For Mark Rothko“ vertreten. Die abstrakte Farbmalerei bildet zudem eine eigene Ausstellung mehrerer Künstler unterschiedlicher Abstammung.
Hinweise auf Heute liefert schon im Windfang die Regenbogenfahne mit Davidstern des queer-jüdischen Vereins Keshet Deutschland e.V., der den Regenbogen als Zeichen der Hoffnung und des Bundes von Gott mit den Menschen symbolisch verwendet. Einzelne Beispiele der zeitgenössischen Kunst erinnern an die Emigration der jüdischstämmigen Kulturschaffenden in der NS-Diktatur und an den Holocaust. Die berühmte Rebecca Horn ist überdeutlich in ihrer Bildsprache, aber ihre mechanisierte Skulptur ist eindrucksvoll. Von Jochen Gerz sind Materialien zu seinem Dachau-Projekt zu sehen. Vom Designer Otl Aicher stammt „Waldi“, das Maskottchen der Olympischen Spiele 1972, die mit der Ermordung israelischer Sportler in der Katastrophe endeten. Andere Beiträge und Dokumente weisen etwa auf den jahreszeitlichen Kalender im Judentum. Es gibt in dieser so vielfältigen Ausstellung, die etliche Auflagetische und Vitrinen beinhaltet, zig Beispiele für das jüdische Leben, aber auch, darüber hinaus und nicht nur mit jüdischem Background, für unsere Gesellschaft. Es ist ganz gut, dass die Ausstellung lange läuft und folglich wiederholt zu besuchen ist.
In die Weite – Aspekte jüdischen Lebens in Deutschland | bis 15.8. | Kolumba | 0221 933 19 30
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