Patrick Steffens, René Thomasius, Marten Persiel und Michael Schoebel vor dem MAKK

Betonspielplatz DDR

26. Juli 2012

"This Ain't California" im MAKK – Foyer 08/12

Freitag, 6. Juli: Die Open-Air-Vorabvorführung des DDR-Skaterfilms „This Ain’t California“ im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) lief gleich unter mehreren Labels gleichzeitig. Zum einen war die Preview Bestandteil der Kölner Kino Nächte, die in diesem Jahr trotz ungewisser Fördergelder mutig von den Kölner Kinobetreibern allein gestemmt wurden. Zum anderen wurde Marten Persiels Debütfilm präsentiert vom „Exposed“-Festival, das sich Erstlings- und Nachwuchswerken verschrieben hat und traditionell im Herbst in Köln stattfindet. Außerdem lief der Film im Rahmen der Sommer-Berlinale, bei der Wettbewerbsfilme aus dem Februar-Programm der Berliner Filmfestspiele in den warmen Monaten andernorts nacherlebt werden können. Aus diesem Anlass verloste Joachim Kühn von der Kinogesellschaft Köln vor dem Screening anhand der Eintrittskartennummern einige Merchandising-Artikel der Berlinale 2012. Trotz eher durchwachsener Wettervorhersagen war der Innenhof des MAKK bis auf den letzten Platz gefüllt, dank zusätzlich herbeigeschaffter Stühle musste sich den Film auch niemand im Stehen ansehen. Und abgesehen von einigen kleineren Regenspritzern während der Projektion blieben die Zuschauer dann am Ende auch von den angekündigten Schauern verschont.




Regisseur Marten Persiel im Gespräch mit Stephan Sarasi vom Exposed-Filmfestival

„This Ain’t California“ wurde vom Publikum begeistert aufgenommen, was den Erstlingsfilmer Marten Persiel sichtlich rührte. Im anschließenden Gespräch mit „Exposed“-Mitarbeiter Stephan Sarasi erläuterte der Regisseur, dass er allein zwei Jahre mit Recherchen zum Film verbracht hätte, dessen eigentliche Produktion dann noch einmal drei Jahre in Anspruch nahm. 25 der von ihm dabei geführten Interviews fielen sogar komplett dem Endschnitt zum Opfer. Erstaunen beim Publikum verursachten vor allen Dingen die Aussagen eines ehemaligen Stasi-Mitarbeiters, der sich unverblümt vor der Kamera über die Beschattungsmethoden an den Skatern ausließ. Persiel kommentierte: „Ich dachte beim Dreh auch, das kann doch eigentlich nicht ernst gemeint sein. Das hatte etwas total Schräges.“ René Thomasius, einer der Skater-Zeitzeugen, der ebenfalls zur Preview nach Köln gekommen war, ergänzte: „Schärft Eure persönliche Firewall gegen solche Idioten – egal, ob sie in Stasi- oder Bankerklamotten auf Euch zukommen.“ Da „This Ain’t California“ ein wilder Mix aus Archivmaterialien, Interviewpassagen, eigenem Super-8-Material und Animationsszenen ist, stellte man aus dem Publikum auch die Frage, wie viel von den Szenen denn tatsächlich nachgestellt wurde. Persiel antwortete darauf etwas ausweichend, weil er sich, wie ein Pokerspieler, nicht in die Karten schauen lassen wolle. „Was nachgedreht wurde, sagen wir jetzt nicht, das muss jeder selbst rausfinden.“ Über seine Motivation fügte er danach noch hinzu: „Es sollte ein gefühlvoller Film werden, keine theoretische Abhandlung über die Skaterszene in der DDR.“



Joachim Kühn verlost Trophäen der Berlinale
Text/Fotos: Frank Brenner

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