Aus der Reihe „Ticinium“, Ulrike Rosenbach, 2012

Das wehrhafte Geschlecht

28. August 2014

Ulrike Rosenbach-Retro im Bonner Landesmuseum – Kunstwandel 09/14

„Jeder hat Angst vor der schwarzen Frau“. Leise, aber bestimmt tönt es aus dem ersten Raum: „Jeder hat Angst vor der schwarzen Frau“. Bildschirme flimmern, im Hintergrund Federn auf einer Salzfläche. Engel an den Wänden. „Jeder hat Angst vor der schwarzen Frau“. Unverkennbar, das sind Arbeiten von Ulrike Rosenbach. Die Pionierin der Video-Kunst erhielt 2012 vom Rhein-Sieg-Kreis den Rheinischen Kunstpreis fürs Lebenswerk, verbunden mit einer Ausstellung im Bonner Landesmuseum, nebst Katalog und erfreulich gutem Preisgeld.

„Weiblicher Energie-Austausch“ heißt nun zwei Jahre später die Schau, zwangsläufig eingebettet in die rheinländische Neandertaler- und Kelten-Dauerausstellung. Einer der jüngsten Performances stammt aus dem Preisträger-Jahr und beschäftigt sich mitKlagegesängen von Frauen in den Kulturen im östlichen Mittelmeerraum. Troja stand Pate für „Ticinium – Trauerschal“. Realisiert 2012 für die Biennale im türkischen Çanakkale, ist es eine Bildcollage-Videoprojektion, vor der vier junge türkische Tänzerinnen improvisieren, während Ulrike Rosenbach die klagenden Troerinnen erklingen lässt. Geblieben sind Fototableaus und dokumentarische Videos, normal bei einer Künstlerin, die immer lieber spektakulär öffentlich agiert hat, die immer die Konfrontation mit gesellschaftlichen Gegebenheiten und den Betrachtern gesucht hat.

Sie war schon in den Anfängen mehr Amazone als Feministin, entdeckte früh die neue Videotechnik für Film und Performance. Schon 1975, Sony hatte gerade die erste Videocam auf den Markt geworfen, nutzte sie das Medium bei„Glauben Sie nicht, dass ich eine Amazone bin“. Zur 9. Biennale im Pariser Musée Nationale d'Art Moderne stellte sie damals einen Ausschnitt von Stefan Lochners Gemälde „Madonna im Rosenhag“ auf eine Staffelei. Mit Pfeil und Sportbogen bewaffnet, schoss sie zigmal auf die Madonna mit Kind in Tondoform, das natürlich auch an eine Zielscheibe erinnerte. Hinter dem Bild stand eine NTSC-Portapak Videokamera, die durch ein Loch nicht nur die Künstlerin im weißen Trikotanzug, sondern auch die anrasenden Pfeile dokumentierte, die dann in Echtzeit auf einem Monitor zu sehen waren. Später ergänzte sie die Performance mit einer Rezeption des Amazonen-Mythos durch Hollywood. In Bonn sind eher Devotionalien wie Filmstills, Bogen und Pfeile zu sehen.

Ähnlich ergeht es der größten Arbeit, die die documenta-Veteranin Ulrike Rosenbach (Jahrgang 1943) 1993 in Bonn realisiert hat. „Das Bild der Frau in der Nachkriegszeit“, war eine auf 98 Monitoren projizierte Bild-Klang-Collage aus Wochenschauen und UFA-Filmen, installiert am damals neu eröffneten Haus der Geschichte. Übrig geblieben sind hier leider nur noch Loops einer „Trümmerfrau“, die endlos orangene Erde in eine Lore schaufelt und Fototableaus. Sie stehen vis-á-vis zu „Schwarze Federhaube“ von 1970, ein herzförmiges Objekt, kunstmarktaffin in einer Sockelvitrine. Drumherum Erinnerungen an „Or-Phelia“ (1988), „Last Call für Engel“ (1996) oder die neu konzipierte Medien-Installation „Meine Macht ist meine Ohnmacht“ (2010/1978). Nicht verpassen!

Ulrike Rosenbach: „Weiblicher Energie-Austausch“ | bis 5.10. | LVR-Landesmuseum Bonn | 0228 207 03 51

PETER ORTMANN

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