Wer gedacht hätte, die Avantgarde lebe in New York, der befindet sich auf einem Holzweg, und das ist ein Verkehrsweg, den man dort sicher längst nur noch in Museen oder Aktionshäusern findet. Aber dennoch ist die „New York Painting“-Ausstellung im Bonner Kunstmuseum interessant, vielseitig, sehenswert. Nicht alles ist reine Malerei, manche Formate erinnern eher an eine Holzwerkstatt, anderes vehement an die goldenen 80er Jahre.
Machen wir einen Rundgang, gehen durch die Eingangstür und – stehen vor Türen. Ned Vena klebt hier Vinylfolien auf Stahltüren (o.T., 2012), einfache Durchgänge aus dem Supermarkt, wie sie auch in Fertighäusern oder Ateliers zu finden sind. Sie sind vorschriftsmäßig mit den Angeln an der Wand befestigt und erinnern trotz der Neo-Graphic-Beschichtung immer noch an Ready-Mades des vergangenen Jahrhunderts. Eigentlich werden auch hier gewöhnliche Dinge zu Kunstwerken erklärt, das Geheimnis besteht in der Umwidmung selbst. Hinter ihnen die Wand, kein Raum, kein Durchgang, wohin sie führen und wozu sie da hängen, dies muss der Betrachter entscheiden.
Danach möchte man doch die Ölfarbe wieder riechen und gerät in den Raum von Ryan Sullivan. Wild, erregend, erdig, fast ein topografischer Emil Schumacher, könnte man meinen, doch die pastosen Flächen haben nur beim ersten Hinsehen Geländestrukturen (alle o.T., 2014). Eigentlich sind es Farbströme, die sich planlos organisieren, ihre organische Struktur geschickt verbergen, und am Ende eine tiefe Nachdenklichkeit erzeugen, über Malerei und seine Oberfläche, über die Dinglichkeit an sich und, wie es der Künstler selbst formuliert, über das „sonst noch“. Die Oberfläche interessiert auch Antek Walczak. Seine malerischen „Anagramme“ (Dandere, 2014) beschreiben textliche Fetzen, losgelöst aus Anfragen, Geschichten oder auch Spammail-Ordnern, bei seinen Werklabyrinth-Monochromen (New Transbohemian States, 2013) bilden diese Wortwürmer bekannte Comicgesichter.
Schranken gibt es bei den relativ jungen Künstlern keine mehr. „Es ist eine Generation, die letztlich diese Debatten um das, was Malerei tun darf und was Malerei nicht tun darf, hinter sich gelassen hat“, sagt auch Christoph Schreier, Kurator der Ausstellung für die er elf Malerinnen und Maler aus der Kunstmetropole New York zusammengesucht hat.
Der interessanteste unter ihnen könnte Ross Iannatti sein. Er sammelt alte Airbags von den Schrottplätzen und konstruiert daraus riesige Wandbilder, deren morbider Charme gerade in den Spuren der unfreiwilligen Benutzung liegt. Hinter jedem einzelnen lauert nämlich die unentdeckte Geschichte eines Aufpralls, die Malerei erschafft sich beim Unfall quasi selbst, das Werk legt sich dabei nicht fest, ob es Skulptur oder Tafelbild sein will. Der teuerste ist sicher Joe Bradley, einer der es am Kunstmarkt in die Millionen geschafft hat, sicher auch wegen des Mottos „the ghosts are welcome“. Und es sieht so aus, als seien es die Geister der 80er Jahre, die seinen Weg begleiten und von der Macht der wilden Malerei wispern.
„New York Painting“ | bis 30.8. | Kunstmuseum Bonn | www.kunstmuseum-bonn.de
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