Schon seit zehn Jahren veranstaltet der Autor Christian Breuer, der sich selbst „Chrizz B. Reuer“ nennt, das Lesefestival „Freie Geister“. Doch wer eine konventionelle Lesung erwartet, täuscht sich. Es wird nicht nur Lyrik vorgetragen, sondern auch Musik, Stand-Up Comedy und eigentlich alles, was den Freigeistern so gefällt.
Der Abend beginnt mit sanften Jazz-Klängen aus Harald Pirons Saxophon. Daraufhin liest Breuer, der im Laufe des Abends wiederholt vorträgt, einen Text zu einer Japan-Reise. Der Autor erzählt von einem Spaziergang durch Tokio, der im Hofbräuhaus endet. Ein Kontrast, welcher für Breuer Fragen nach eigener Kultur und Identität aufwirft. Auch in einem später vorgetragenen Gedicht behandelt der Lyriker das Thema Identität und Nationalität. Viel bleibt davon nicht hängen, der Autor bezeichnet das Gedicht trotzdem als seinen „Klassiker, der in die Ewigkeit eingeht“. Ob er dabei verschmitzt mit den Augen zwinkert, ist unter seinem Hut nicht zu erkennen.
Daraufhin betritt Benjamin Schmälzlein die Bühne, der zum Klang von düsteren Mönchsgesängen aus der Stereo-Anlage mit viel Intensität sein Gedicht „Mein Vater – Unser Leid“ vorträgt. Der Autor beschreibt einen Alptraum vom Weltuntergang, erzählt aus der Perspektive eines Kindes. In der lyrischen Erzählung wird von „farbschwangeren Tapeten“ gesprochen und „Glasmurmeln, die umher rollen“, doch wohin sie rollen, ist wahrscheinlich egal. Im Anschluss liest Jo Stammer aus seinem Kriminalroman „Täuschend Echt“, der in der Kunstfälscher-Szene spielt. Der vorgetragene Ausschnitt spiegelt auf amüsante Art und Weise die Motivation des Protagonisten wider, der so unzufrieden mit der eigenen Identität ist, dass er die Identitäten berühmter Künstler annimmt und beginnt, deren Gemälde zu fälschen.
Energiegeladen springt dann der Stand Up-Comedian und Magier Jarod McMurran auf die Bühne. Mit Witzen über Frauen beim Einparken zaubert McMurran dem spärlich erschienenen Publikum jedoch nur ein gezwungenes Lächeln auf die Lippen. An einem Abend, der größtenteils unfreiwillig komisch verläuft, schafft es der Komiker fast als einziger, nicht lustig zu sein. Nachdem Breuer noch einmal mit seiner guten Freundin und Co-Autorin Monika Stolzenberg Lyrik vorträgt, die teilweise aus Wortfetzen und Versatzstücken, die von Graffiti-Wänden zusammengetragen wurden besteht, wird der Abend mit einem experimentellen Stück beendet. Von schrägen Saxophon-Klängen begleitet, trägt Breuer ein Gedicht im Stil der Beat-Generation vor, welches immer wieder von der Melodie des kölschen Klassikers „Mer losse d’r Dom en Kölle“ unterbrochen wird. Und so endet ein äußerst ungewöhnlicher Abend.
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