Bereits Anfang des Jahres befragten die Rheinischen Rebellen, der Jugendclub des Schauspiel Köln, die „Zehn Gebote“ auf ihre Aktualität. Jetzt folgte mit „Ich bin der Herr dein Gott“ die Fortsetzung, die den ethischen Dekalog mit Motiven aus Shakespeares „Romeo und Julia“ verquickt. Die Veroneser Jugendbanden sind von martialischer Art. Jungs in schwarzen Overalls vollführen Kampfspiele und reißen zotige Witze. Die jungen Frauen trampeln wütend herum. Ein Priester zelebriert mit einem Paar ein Trunkritual an einem Altar, der mit Stofftieren, einem roten Herz und einer großen Pferdeattrappe geschmückt ist. In dieser Welt treffen die beiden Liebenden, die hier Paolo und Giorgia heißen, zur berühmten Balkonszene zusammen. Die Verse werden in Mikros gesprochen, das Paar ist als Filmprojektion zu sehen – die Liebesszene im Bann ihrer technischen Reproduzierbarkeit.
Shakespeare-Motive und selbst entwickelte Szenen reihen sich eher assoziativ aneinander, das verleiht dem Abend etwas Spielerisches, lässt den Zuschauer aber oft auch die Orientierung verlieren. Die Koppelung mit den christlichen Gebotstexten, die den Szenen vorangestellt werden, bleibt allerdings eher willkürlich. Gespielt wird in Gottfried Böhms Betonkirche St. Gertrud aus den 1960er Jahren. Die polygonale Anlage des Baus ermöglicht den Rheinischen Rebellen eine Rundumbespielung. Das Publikum sitzt auf Podesten in einem schwarzen Kabinett (Bühne: Tobias Flemming), in dem sich immer wieder Türen und Fenster in den Kirchenraum öffnen. Regisseurin Anna Horn nutzt diesen Raum für ausgedehnte Tanzszenen, die die jungen Darsteller textlich entlasten. Es wird mit Klischees geschlechtsspezifischer Gestik gespielt, bei den Männern Denkerpose oder Marschtritte, bei den Frauen Ballettbewegungen. Bollywood lebt in einer Hochzeitsszene auf, archaisch dagegen wirken die Trauerrituale. Am Ende mündet der Abend dann vollends in die Shakespeare-Spur: der Betäubungs-Rat Pater Lorenzos von der Kanzel herab, der Brief und schließlich die Todesszene des Paares mit einem ergreifend-pathetischen Lamento Giorgias (Iman Tekle) – ein letztlich durchaus eigenständiger Zugriff der Rebellen auf die größte Liebesgeschichte der Weltliteratur.
„Ich bin der Herr dein Gott“ | R: Anna Horn | Schauspiel Köln | keine weiteren Termine | www.schauspielkoeln.de
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