Adena Jacobs
Foto: David Paterson

Rache und Gerechtigkeit

16. Februar 2026

Feministische Version der „Orestie“ am Schauspiel Köln – Prolog 02/26

Mein ist die Rache: Unter dieser Prämisse sind in der Antike ganze Kriege geführt und ganze Geschlechter ausgelöscht worden. Der Feldherr Agamemnon muss nach dem Willen der Jagdgöttin Artemis seine Tochter Iphigenie opfern, um in See stechen zu können. Nach seiner Rückkehr erschlägt ihn im eigenen Bad seine Gattin Klytaimnestra, die ihm den Tod der Tochter nicht verzeiht. Sie wiederum wird daraufhin von ihrem Sohn Orestes durchbohrt. Diese Tragödie hat der Dichter Aischylos in der „Orestie“ zusammenfasst – und dem von den Erinnyen (Rachegöttinnen) gejagten Titelhelden zugleich einen Ausweg ermöglicht. Ein Prozess unter dem Vorsitz von Athene spricht ihn letztlich von aller Schuld frei. Nun nimmt sich die australische Regisseurin Adena Jacobs dieses mythischen Stoffes an, in dem erstmals in der altgriechischen Literatur die Rechtsprechung über die Blutrache triumphiert. Und stellt sich auf die Seite der Anklägerinnen.

Jacobs will mit ihrer Inszenierung zumindest in Frage stellen, ob es sich bei dem Freispruch um einen Sieg der Gerechtigkeit handelt. „Die Orestie endet ja versöhnlich“, erklärt Alexander Kerlin, Chefdramaturg am Schauspiel Köln, „aber das gilt nur für die Männer. Die Erinnyen werden am Ende an den Herd geschickt, und der Mord an Klytaimnestra bleibt ungesühnt.“ Orestes‘ Schwester Elektra, die ihm bei der blutigen Tat half, wird übrigens weder von den Göttinnen noch von der Justiz weiter behelligt. Wie auch immer, im Grunde gehe es Jacobs überhaupt nicht darum, Antworten zu finden. Die Fragen würden schon reichen, sagt Kerlin. „Allerdings befinden wir uns noch mitten in der Probenphase, vielleicht entwickelt sich das noch.“ Für ihre Inszenierung verknüpft Jacobs Schauspiel mit modernem Tanz und Videokunst, und das laut Kerlin sehr bild- und geradezu alptraumhaft – nicht zuletzt unter dem Eindruck von brutalen Szenen, wie sie sich zum Beispiel zuletzt im Iran zugetragen haben. In seiner Struktur bleibe das Stück aber dennoch sehr konkret. „Wir haben schon klar gezeichnete Figuren mit einer stringenten Handlung und kein vertanztes assoziatives Metapherntheater“, bekräftigt Kerlin. Letztlich obliegt es aber den Zuschauerinnen und Zuschauern, sich ein Urteil zu bilden. Was auch nicht selbstverständlich ist.

Die Orestie | 7. (P, ausverkauft), 10., 14.3. je 19.30 Uhr, 15.3. 18 Uhr | Schauspiel Köln, Depot 1 | www.schauspiel.koeln

Thomas Kölsch

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