Wer den Namen Anne Hathaway bei Google eingibt, erhält 31 Millionen Einträge und die sind zum großen Teil in giftige Verachtung getränkt. Welcher Person auf diesem Planeten tritt eine ähnliche Welle des Hasses entgegen, wie der amerikanischen Schauspielerin? Womit hat sie das verdient? Angeblich mit der Form ihres Gesichts und ihrer Zähne. Ressentiments gehören in unseren nur scheinbar aufgeklärten Zeiten zum Alltagsleben. Roger Willemsen schlägt die Welt am Sonntag auf und findet einen anonymen Kommentar zur lit.COLOGNE, in dem das Lesefestival als Ziel des „verschnarchtesten Bachmannpreisträgers“ gescholten wird.
Ein treffender Anlass für Willemsen, sich einen Abend lang in der Definition eines Begriffs zu üben, der große Aktualität besitzt und im Auftrag der lit.COLOGNE von sechs Autoren literarisch charakterisiert wurde. Das Ressentiment kennzeichnet eine Art Groll, den diejenigen, die sich zurückgesetzt fühlen, gegenüber den vermeintlich Bevorzugten hegen. Eine Rivalität aus Niedrigkeit, die gerne aus dem Schatten der Anonymität geführt wird. Wolf Wondratschek skizzierte sie etwa in einem Essay, der die Beziehungen von Kritikern und Verlegern zu Autoren unter die Lupe nahm. Pointiert und scharfzüngig beschreibt Wondratschek die Gemeinheit der Kritik, die Arroganz der Verleger und die Einsamkeit der Autoren. Unter der Hand unterstellt er jedem der dreien das Ressentiment und übt sich zugleich selbst darin. Ein in jeder Hinsicht listiger Text.
Die „Uraufführungen“ – wie die Veranstaltung im Klaus-von-Bismarck-Saal des WDR getauft wurde – erwiesen sich schon bald als eine Präsentation faszinierender Sprach- und Gedankenwelten. Für den erkrankten Thomas Glavinic verwandelte Jörg Dippe, Mitglied des Kölner Schauspiels, dessen Text in eine rasend schnelle Tirade aus dem Fernsehsessel. Mit mörderischem Hass wird alles, was nicht in das Konzept gnadenloser Mittelmäßigkeit passt, einer populistischen Verachtung preisgegeben. Im Kontrast dazu Michael Köhlmeiers wuchtiger Text „Der Schwedenkuss“. Eine Episode aus dem Dreißigjährigen Krieg, die dem Massaker folgte, das die katholischen Truppen an den Einwohnern Magdeburgs begingen. „Über ihr eigenes Böses erschrocken“, versuchen die Katholiken ihre Schuld den Protestanten in die Schuhe zu schieben und verbrannten ein aneinander gekettetes Ehepaar bei lebendigem Leib.
In die Tinte deutsch-jüdischer Ressentiments tunkte Viola Roggenkamp drei Figuren einer Abendveranstaltung in Form eines schelmischen Dialogs. Die Schriftstellerin war für die erkrankte Silvia Bovenschen eingesprungen. Die junge Antonia Baum las ihr modernes Märchen des talentierten Jens, der von der Schulmeute zu Tode gehetzt wird. Und Navid Kermani setzte einen eindrucksvollen Schlusspunkt mit seinen Überlegungen zum Leiden Christi. Kermani beschreibt das Ressentiment als die Verweigerung jeglicher Empathie und den Versuch, dem anderen das Menschsein abzusprechen. Dazu stellt er Überlegungen zu jener Situation vor der Kreuzigung an, in der Jesus die Dornenkrone aufgesetzt wird. Eine Qual, die in der Verurteilung durch Pilatus nicht vorgesehen war. Kermani überlegt, wie lange diese sadistische Prozedur gedauert haben muss? Eine Frage, die in den Zuhörern nachklang und einen letzten Beweis für den Erfolg der „Uraufführungen“ darstellt, die nach einer Fortsetzung im nächsten Jahr verlangen.
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