Die 1961 insMeer gestürzteMercury-KapselLiberty Bell 7 wurde 1999 geborgen, Foto: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland © Kansas Cosmosphere and Space Center, 2014

Die Sehnsuchtsorte im Universum

23. Dezember 2014

Großartige „Faszination Weltraum“ in der Bundeskunsthalle Bonn – Kunstwandel 01/15

Wie oft schaut man in den Abendhimmel, sucht die Aliens zwischen den Sternen und freut sich, wenigsten die ISS zu entdecken, das größte von Menschen gebaute Gebilde, das um den Planeten kreist. Major Tom drängt sich in die Gedanken und man erinnert sich als David-Bowie-Fan wehmütig an Kommandant Chris Hadfields Coverversion live von der Raumstation. Jetzt hat der Raumfahrt-Affine zumindest temporär einen neuen Wallfahrtsort. „Faszination Weltraum“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn, und sie bietet alles was das Outer-Space-Herz nur beglücken kann und vieles auch noch zum Anfassen.

Schon draußen leuchtet das 1:5 Modell der Ariane V, die Trägerrakete der ESA und bereits seit 1996 unterwegs, drinnen bekommt der Besucher gleich zu Beginn die martialischen Raketengeräusche dazu geliefert.Alle 15 Minuten startet dann auf einer Video-Großprojektion eine Sojusrakete ins All, gewaltig und schön. Aber weiter hinein an die Sehnsuchtsorte und deren Devotionalien. Allein die Kapsel „Liberty Bell 7“ im Original zu sehen, hätte mir schon gereicht. 38 Jahre lang hatte die auf dem Grund des Atlantiks gelegen, immerhin war das 1961 erst der zweite parabole Weltraumflug der USA.Das Mercury-Raumschiff (Seriennummer 11) hatte aber wohl einen bis heute nicht geklärten Defekt, Astronaut Virgil „Gus“ Grissom konnte sich soeben noch schwimmend retten, bevor die „Freiheitsglocke“ fünf Kilometer tief versank.

Und weiter geht es durch die zwölf Räume, prall gefüllt mit Technik, alten Fotos, Sternenkarten, Original-Raumanzügen, fotografischem Material, Filmaufnahmen, Mondfotos, Meteoriten und und und, es macht keinen Sinn einzelne Objekt aufzuführen. Sie sind alle einzigartig und mit einer Aura behaftet, die atemlos macht, wenn man eine visionäre Ader dafür hat. Und mittendrin hochkarätige Kunstwerke, die einen Bezug zur Materie haben, wie Ilja Kabakows Installationsraum „The Man Who Flew into Space“ (1985) oder Max Ernsts „Moonmad“ (1944). Sie sind kein Kontrast, sie harmonisieren die technischen Ausstellungsstücke und die fast imaginäre Bedeutung der Raumfahrt für die Menschheit an sich.

Natürlich darf die Fiction in der Science nicht fehlen. Hinter Glas stehen sie, die Ausstattungsschätze der Hollywood-Klassiker „Krieg der Sterne“, „Alien“ oder „Event Horizon“ und die gute alte USS Enterprise von 1966 ist natürlich auch vor Ort. Vom deutschen Einstieg in die televisionäre Filmindustrie gibt’s nur Filmstills ohne Commander McLane. Das ist natürlich nichts gegen das Originalbett, in demNeil Armstrong die erste Nacht nach seiner Rückkehr vom Mond verbrachte. Das war sicher ein großer Schritt für ihn nach der Enge in Apollo 11, und doch: Das Lager kommt mir irgendwie ziemlich kurz vor. Ziemlich lang dauert es noch bis unsere Sonne explodiert und dennoch. Am Ende der wunderbaren Schau stehtGianni Mottis „Big Crunch Clock“ von 1999, das ist eine Digitaluhr mit roten Ziffern, die stoisch die restlichen fünf Milliarden Jahre herunterzählt. Und das macht dann doch irgendwie nachdenklich.

„Faszination Weltraum“ | bis 22.2. | Bundeskunsthalle Bonn | 0228 917 12 00

PETER ORTMANN

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