Die Nachhaltigkeit des ‚Werkstoffs‘ Plastik ist atemberaubend. Noch heute lassen sich Objekte aus den 60er Jahren in den Ozeanen finden – nur wenig angegriffen von Salzwasser und Sonne. Und selbst wenn er sich in Kleinstpartikel zerlegt, auflösen wird er sich nie. „Der siebte Kontinent“ lautet der Titel des sehenswerten Projekts von Jan-Christoph Gockel und seinem Ensemble, das sich mit unserem ambivalenten Verhältnis zum Kunststoff(müll) auseinandersetzt. Der Titel dieser Koproduktion zwischen dem Theater im Bauturm und dem Staatstheater Mainz geht auf die gewaltigen Plastikmüll-Strudel im Pazifik zwischen Japan und den USA zurück. Dieser Kontinent wird zunächst in einem Stummfilm symbolisch erobert. Michael Pietsch gerät dann als goetheanischer Zauberlehrling in ein verheerendes Experiment mit einer unaufhörlich aufquellenden Plastikmasse. Die Hybris der Wissenschaft, die uns die Verkunststoffung der Welt beschert hat, verband von Beginn an das Fortschritts- mit einem religiös-gesellschaftlichen Heilsversprechen.
Der geniale Kniff dieser Produktion folgt dem Beziehungsknatsch zwischen Lilith Häßle und Sébastien Jacobi alias Plastik auf einem Sofa. Seit Liliths Geburt sind sie ein Paar, vom ersten Namenschildchen im Krankenhaus über das Spielzeug bis zu Kleidung und Computer. Kein Lebensbereich ohne Kunststoff. Monsieur Plastik im Latex-Suit pocht auf seine antielitären Eigenschaften (billig) oder sein Naturschutzinteresse (Billardkugeln aus Kunststoff statt Elfenbein). Selten wurde einem die Verwobenheit der eigenen Existenz mit einem Umweltgift derart deutlich vor Augen geführt. Das Paar reist an den hawaiianischen, total verschmutzten Kamilo Beach, um sich mit Vertretern von NGOs zu treffen. Doch die anschließende Selbstrechtfertigung des Plastiks als recyclebarer „Werkstoff“ weist Lilith strikt von sich: Nicht der Konsument, die Industrie sei in der Verantwortung. Auch wenn die Produktion als klassisches theatrales Infotainment-Projekt daherkommt, so unterhaltsam und aufrüttelnd konnte man sich sein schlechtes Gewissen lange nicht mehr ankratzen lassen.
„Der siebte Kontinent“ | R: Jan-Christoph Gockel | 28.4., 13.5., 20.5., 1.6. je 20 Uhr, 14.5., 21.5. je 18 Uhr | Theater im Bauturm | 0221 52 42 42
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