Karrieren werden heutzutage minutiös geplant. Aber schon in der Vergangenheit gab es Lebensläufe, die wie am Reißbrett entworfen und realisiert wurden. Eine Aufgabe, die normalerweise ehrgeizige Eltern für ihre Sprösslinge übernehmen, seltener sind Selfmade-Genies, die den Erfolg mit eigener Hand anlegen. Ein solches Wunderkind war offenbar Godefridus Schalcken (1643 - 1706), Sohn einer Pfarrersfamilie aus dem Süden der Niederlande. Als Teenager ließ er sich von Samuel van Hoogstraten, einem Rembrandt-Schüler, ausbilden, um dann in der Leidener Werkstatt von Gerrit Dou – ebenfalls einer der großen Künstlerpersönlichkeiten des Goldenen Zeitalters – zum jungen Star zu reifen. Bald zieht es ihn nach Den Haag und London, er erhält Aufträge von den Medici und Kurfürst Johann Wilhelm in Düsseldorf. Hohe Preise werden für seine Bilder gezahlt, Schalcken lebt mit seiner Frau Francoisia van Diemen auf großem Fuße.
Das Selbstbewusstsein der beiden ist mit Händen zu greifen, wenn man jetzt ihre von Schalcken gemalten Porträts im Wallraf-Richartz-Museum & der Fondation Corboud betrachtet. 80 Bilder hat das Museum, das selbst eines der schönsten Werke des Niederländers besitzt, aus aller Welt an den Rhein geholt. Leihgeber sind unter anderen die Uffizien in Florenz, die National Gallery in London oder das Amsterdamer Rijksmuseum. Sie alle wissen, was gut ist, dabei gehört Godefridus Schalcken zu den eher vergessenen Malern des 17. Jahrhunderts. So erfolgreich er zu Lebzeiten war, so sehr geriet er im 19. Jahrhundert in Vergessenheit. Das Wallraf und seine Kuratorin Anja K. Sevcik landen einen Coup mit dieser ersten Retrospektive des Niederländers. Schalcken war ein Meister der Lichteffekte. Die Übergänge zwischen Hell und Dunkel sind bei ihm in samtig weiches Kerzenlicht gegossen. Anders als Vermeer und Georges de la Tour kommt sein Licht weder aus einer Innerlichkeit, noch ist es auf Dramatik angelegt. „Gemalte Verführung“ – so der Titel der Ausstellung – ist sein Anliegen.
In seiner enormen Vielseitigkeit vermochte Schalcken Porträts, Stillleben und Landschaften in taktile Erlebnisse zu verwandeln. Die Sinne werden über die Maßen mit der Faszination des Barock an verführerischen Oberflächen beschenkt. Eines der häufigsten Motive Schalckens war die büßende Maria Magdalena, wobei sie in jeder der zahlreichen Versionen eine derartig bezaubernde erotische Ausstrahlung erhält, dass Begriffe wie Reue, Schuld oder Scham schlichtweg in Vergessenheit geraten. Hier will jemand mit dem ganzen Vokabular der Sinne die delikate Vitalität alles Körperlichen feiern. Eine junge Frau beißt in einen Pfirsich und Säfte der Frucht tropfen ihr über die Lippen, auf Dekolleté und Hände. Eine unverhohlen pornografische Metapher, die in ihrer Deutlichkeit kein Missverständnis zulässt. Aber genau diese Freude an Körpern, Farben, Stoffen, Früchten und Gesichtern wollten die Zeitgenossen in ihrem unstillbaren visuellen Hunger dargestellt wissen. Schalcken besaß das malerische Raffinement, um solche Bedürfnisse überzeugend bedienen zu können. Passend dazu werden die Bilder wie Edelsteine auf dunkelblauem Hintergrund präsentiert. Mit seinem Humor - die Ausstellung enthält zahlreiche ebenso witzige wie warmherzige Kinderbilder – seiner Faszination für alles Weibliche und dem Feingefühl für den Lichtschmelz der Kerzen bietet die imposante Ausstellung, ein Fest der Malerei.
„Schalcken – Gemalte Verführung“ | bis 24.1.16 | Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud Köln | 0221 22 12 11 19
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