„Ich mag Wagner“
Foto: Silviu Guiman

Einer von uns

26. September 2013

„Ich mag Wagner“ in der studiobühne Köln – Theater am Rhein 10/13

In Bayreuth ist es wie in der Freien Szene: ungemütlich. Enge Sitzreihen, mitgebrachte Kissen und die provisorische Baugerüstplane, die in diesem, dem Wagner-Jahr, das Festspielhaus zierte. Ungemütlich ja, aber was tut man nicht alles, um der Hochkultur zu huldigen, selbst wenn sie in Plastik gehüllt ist. Bei der Gruppe FANG werden auch wir, die Besucher der studiobühne, zu Wagnerianern. Auf riesiger Leinwand inmitten der Bühne laufen Mitschnitte des „Ring“ und vor allem aus „Parsifal“. Davor ein junger Mann: mit dem Rücken zum Publikum, auch auf einem Plastikstuhl, einer von uns. „Ich sehe, wir mögen dasselbe.“

„Ich mag Wagner“ ist aus seiner viertelstündigen Miniaturform erwachsen, mit der FANG einen der drei Preise des ersten Festivals „fünfzehnminuten“ errang. Eigentlich sind sie Literatur-Blogger der Generation 2.0, könnten einen spannenden Außenblick auf den theatralen Kulturbetrieb werfen. Zunächst gelingt das auch. Statt pompöser orchestraler Wagner-Musik fallen die spitzzüngigen Kommentare unseres „Protozuschauers“ in die Stille. „Theater ist echt, nicht nur abgebildet auf einer Leinwand.“ Leitmotivisch wiederholt er diese Erkenntnis vor flackernder Screen.

Ist Theater nur noch ein illusionärer Raum für intellektuell sich selbst beweihräuchernde Leuchtköpfe? Was ist mit den echten Problemen? Dass sich die Darstellerin Lena Kupke zu Beginn mit Filzstift die Aufschrift „Schauspielerin“ auf den Oberkörper pinselt, geht auch nur als blinder Aktionismus durch. Und wie die „Femen“ offenbar Marionetten eines Machos waren, hat auch sie ihre Gurus: „Ich kann Jelinek, Beier oder Castorf.“ Hinter der Leinwand springt sie dann allerdings herrlich quirlig von Rolle zu Rolle, Theater ist ihr Leben. Via Kamera existiert allerdings nur eine Kopie davon.

Die Dynamik bleibt stoisch die gleiche, die Thematik leider auch: der Zuschauer, der von Etat-Problemen kleiner Häuser nichts hören will, nur noch ins Theater geht, um es zu twittern und sich banale Fragen stellt à la „Warum gibt es im Theater immer Nackte?“. Fragen nach der Konsequenz dieser behaupteten Ignoranz bleiben ungestellt. Auf Wunsch fällt der Beifall spärlich aus: „Vergesst den Applaus, wir brauchen Geld.“ Im Sparschwein am Bühnenrand kann dann jeder zeigen, wie viel ihm Kultur wert ist.

„Ich mag Wagner“ von FANG | R: FANG | studiobühne Köln | 24.10. 20 Uhr | www.studiobuehne.uni-koeln.de

ROMY WEIMANN

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