Exerzitium ohne Erlösung„Andrej Rubljow" am Schauspiel KölnDie Welt interessiert den genialen Zottelgriechen einen Dreck. Der Maler Theophanes mit Wallegewand und Umschnallbart (Ursula Doll) hat weder Vertrauen in die gewalttätigen Menschen, noch in den Glauben. Und so streitet er sich mit dem Protagonisten des Abends, dem Ikonenmaler Andrej Rubljow, der fast naiv auf das Gute im Menschen setzt. 1965/66 dreht der sowjetische Regisseur Andrej Tarkowski den Film „Andrej Rubljow" als assozioativen Reigen biographischer Stationen eines Künstlers, der sich in einem politisch unberechenbaren Staat des späten Mittelalters durchschlagen muss.
Für die Bühnenfassung, in der Dialoge mit langen Erzählpassagen abwechseln, stützt sich Regisseur Robert Borgmann weniger auf den Film als auf die für die sowjetische Zensur angefertigte 350-seitige Novelle. Die Inszenierung beginnt vielversprechend mit einer stummen Mutter Kind-Szene in bühnenbreiten Glaskasten, vor dem sich eine weiße Spielfläche wie eine Leinwand entrollt. Danach versandet der Abend allerdings schnell in einer Ansammlung beliebiger Bilder ohne erzählerische Kraft wie dem Hantieren der drei Mönche Rubljow, Kyrill und Daniel mit einem Baumstamm oder der Begegnung mit dem Gaukler. Immerhin: Simon Eckert als Kyrill ist ein Hingucker. Wie er diesen Untalentierten darstellt, der Rubljow den Erfolg neidet und in seiner Niederlage schließlich einen wehrlosen Hund erschlägt, indem er dreimal ein Stahlrohr fallen lässt – das ist großartig.
Blass hingegen eine Meditation über Gewalt und Mitleid angesichts eines Schwanes, die zum pseudoballetösen Gehopse mit Maschinengewehr-Zombi gerät. Verschenkt schließlich die finale grandiose Glockengießerszene mit dem jungen Boriska als diktatorischem Künstler – Ursula Doll verzappelt sie zur dürren Erzählung. Gelegentlich ahnt man, was möglich gewesen wäre, so wenn Niklas Kohrt als Ikonenmaler in Lendenschurz und Pilgerstab die Brutalität eines Tartareneinfalls zum Jüngsten Gericht verklärt – und sich in sein Schweigegelübde flüchtet. Doch was die Regie an dem Stoff interessiert hat, bleibt unerfindlich: das Künstlertum? Das Verhältnis Künstler und Staat oder das zwischen Kunst und Religion? Trotz kleiner Lichtblicke ein vierstündiges mühseliges Exerzitium ohne jede theatrale Erlösung.
„Andrej Rubljow" | R: Robert Borgmann | 17., 18. (15 Uhr), 22.5. 19 Uhr | Schauspiel Köln/Depot 2 | 0221 221 284 00
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