Donnerstag, 27. September: Seit mittlerweile zwanzig Jahren versucht das in Köln beheimatete Filmfestival „Jenseits von Europa“ das aktuelle afrikanische Filmschaffen in den Fokus zu rücken. Das seit 1993 alle zwei Jahre stattfindende Event, das in mehreren Kinos der Domstadt auf zahlreiche interessierte Zuschauer trifft, fand vom 20. bis 30. September 2012 nun zum 12. Mal statt. Auch in diesem Jahr konnte man mit 85 Spiel- und Dokumentarfilmen, mit Videos, Kurz-, Experimental- und Animationsfilmen aus 20 Ländern Afrikas auch 20 FilmemacherInnen in Köln begrüßen. Gerne stellten sich diese den Fragen des Publikums, das viele der Werke als Deutschland-Premieren exklusiv präsentiert bekam.

So war auch die in Angola geborene Regisseurin Pocas Pascoal persönlich anwesend, um im Anschluss an die Projektion ihres Spielfilmdebüts „Por aqui tudo bem“ einige Anmerkungen zur autobiografischen Geschichte ihres Films zu geben und den Zuschauern Rede und Antwort zu stehen. Gleich zu Beginn stellte Pascoal klar, dass es „nicht nur meine Geschichte (ist), sondern die von vielen Angolanern, die in den späten 70er und frühen 80er Jahren aus Angola geflohen sind, um nicht vom Militär eingezogen zu werden.“ Der mit Unterbrechungen seit 1975 fast 30 Jahre andauernde Bürgerkrieg in dem südwestafrikanischen Staat hatte zu dieser drastischen Entwicklung geführt. Da das Land schließlich seine Grenzen dicht machte und nur noch Minderjährigen erlaubte, ins Ausland zu emigrieren, mussten viele der jungen Angolaner ohne ihre Erziehungsberechtigten versuchen, in der Fremde zurechtzukommen. Viele von ihnen, so auch Pocas Pascoal und ihre Schwester, versuchten ihr Glück in Portugal, da sie aufgrund der portugiesischen Kolonialisierung zumindest mit der Sprache vertraut waren.

Christa Aretz vom FilmInitiativ Köln e.V. befragte Pascoal auch zur Finanzierungsgeschichte ihres Films. Die mittlerweile in Paris lebende Regisseurin erläuterte, dass es hierfür eines langen Prozesses bedurfte. Um in Frankreich finanzielle Unterstützung für ein Projekt zu erhalten, müssen 60-70% des Films auf Französisch gedreht werden. Auf diesen Kompromiss konnte sich Pascoal aufgrund ihrer autobiografischen Geschichte natürlich nicht einlassen. Deswegen kam ein Großteil der Finanzierung für den, mit 200.000 Euro Gesamtbudget unglaublich kostengünstigen, Film aus Portugal, kurz bevor das Land in seine Finanzkrise geriet. Ihre Hauptdarsteller castete die Filmemacherin größtenteils vor Ort in Lissabon: „Die Darstellerin der Alda habe ich schnell gefunden, aber es hat sehr lange gedauert, die Darstellerin der Maria zu finden.“ Das verwundert wohl kaum, wenn man weiß, dass Maria das filmische Alter Ego der Regisseurin selbst ist. Doch der Erfolg des Films, der sowohl in Angola und Portugal als auch in Los Angeles auf Filmfestivals Preise gewann, dürfte Pascoals Entscheidung im Nachhinein Recht gegeben haben.
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