Mittwoch, 4. Mai: „Eigentlich ist es keine Komödie.“ So leitet Regisseur und Drehbuchautor Franz Müller die NRW Premiere seines Films „Happy Hour“ ein. Und er hat Recht: Zum Brüllen lustig ist der Film nicht geworden, stattdessen zieht sich seine sehr subtile Komik durch die Geschichte der drei Freunde im mittleren Alter.
Schon die Ausgangssituation ist nicht gerade komisch – der nerdige, pummelige HC findet heraus, dass seine Frau seit zwei Jahren eine Affäre hat. Wolfgang schlägt vor, gemeinsam in sein Landhaus nach Irland zu fahren. Nur wenige Szenen später finden sich die drei Hauptfiguren genau dort wieder, während Wolfgang minutiös die Hausregeln erklärt. Spätestens hier ahnen die zum Premierenabend zahlreich erschienenen Zuschauer in der Filmpalette: Das kann ja heiter werden.
Denn das Männergespann kennt sich zwar schon seit der Jugend, doch verändert haben sich die drei scheinbar wenig. HC ist der traurige Loser der Gruppe, der sich die Späße der anderen gefallen lassen muss, vor allem von Wolfgang, der ihn mit seinem machohaften Gehabe immer wieder herausfordert. Seine spießige, trockene Art steht im krassen Gegensatz zu Nic, einem Aufreißertyp, der ein großes Kind geblieben ist, unfähig dazu, Verantwortung für seinen Sohn zu übernehmen.
Ausgerechnet diese beiden wollen HC von seinem Kummer ablenken? Nicht wirklich. Im Laufe des Films wird zwar viel getrunken und gefeiert, doch außer ein paar emotionslosen Männergesprächen wird HC links liegen gelassen. Stattdessen lassen sich Nic und Wolfgang mit zwei Frauen aus der Gegend ein und bekommen sich wegen einer von ihnen ordentlich in die Haare, während der eigentliche Grund ihrer Reise immer mehr im Hintergrund verschwindet.
Für den Zuschauer ist das manchmal anstrengend, aber nicht weniger komisch mit anzusehen: Wenn Wolfgang versucht, zu flirten, versinkt man vor Fremdscham tief im Kinosessel. Man möchte den drei Freunden eine saftige Ohrfeige verpassen und fragt sich, wie lange HC sich das noch mit ansieht. Als er endlich einmal aus sich herauskommt und seine beiden Freunde anschreit, er wolle nun nach Hause, schließlich haben sie sich eh nie um ihn gekümmert, kann man nur erleichtert aufatmen.
Was „Happy Hour“ ungewöhnlich macht, ist der alltägliche und beiläufig scheinende Humor, der sich durch den ganzen Film zieht. Fast schon improvisiert wirken viele der nebensächlich erscheinenden Dialoge, doch alles wurde genau nach Drehbuch wiedergegeben, wie Darsteller Simon Licht im Anschluss an die Vorführung betont.
Das anwesende Filmteam um die Produzenten Sonja Ewers und Steve Hudson hat sich den lang anhalten Applaus in der Kölner Filmpalette redlich verdient: „Happy Hour“ feierte bereits auf dem Filmfest München Weltpremiere und erhielt den Förderpreis „Neues Deutsches Kino“. Zudem darf man Stolz verkünden, mit RealFiction einen Verleih gefunden zu haben, der „Happy Hour“ ab dem 12. Mai einem größeren Publikum zugänglich machen kann.
Die Freude, die der Dreh dem anwesenden Team scheinbar gemacht hat, überträgt sich am Premierenabend auch auf das Publikum. Und das, obwohl „Happy Hour“ eigentlich keine richtige Komödie ist. Eigentlich.
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