Das Ende der freien Szene oder absolutes Theater? „Fünf Minuten Stille“ von Leo Meier in der Bühnenbearbeitung des Produktionsbüros Petra P. erfüllt beides: Den Abgesang auf das Drama in Zeiten brutalster Budgetkürzungen und die auf das Wesentliche reduzierte Produktion. Mit dem Stück gelingt dem Ensemble am Freien Werkstatt Theater Köln die Darstellung eines kollektiven Scheiterns auf höchstem Niveau. Voraussetzungen dafür sind katastrophale Rahmenbedingungen mit immens verkürzten Probezeiten und die schillernden Egos der Ensemblemitglieder. Sebastian Kreyer, Daniel Breitfelder und Johannes Brüssau treten mit voller Wucht gegen sich selbst an – und siegen über 90 Minuten auf ganzer Linie. Zum Auswendiglernen der Texte ist es zwei Wochen vor der Premiere bereits zu spät. Ein üppiges Bühnenbild entfällt aus Kostengründen, die Kostüme entstammen zumeist dem Sonderverkauf im Karnevalsshop. Spezialeffekte in Form von Lasern, Loops oder digitalen Kathedralen sind in dieser Welt noch nicht erfunden. Was bleibt, sind die Persönlichkeiten. Entgegen dem Titel der Inszenierung wollen diese jedoch nicht schweigen. Nicht mal 30 Sekunden lang. Nach „Queere Revolution“, „Traudl Junge“ und „Der ewige Spießer“ trägt das Produktionsbüro Petra P. das Publikum erneut mit erstaunlicher Leichtigkeit durch komplexe gesellschaftsrelevante Stoffe. Phrasen, deren Nachrufe schon vor zwei Dekaden in den Todesanzeigen der Tageszeitungen zu finden waren, spielen im P.schen Gewand eine wichtige Rolle als stete Erinnerung an die zivilisatorische Beschränktheit. In Nanosekunden zerlegen die Petras anschließend die Tragödie namens Mensch in eine unwiderstehliche Komödie, deren Esprit befreiend wirkt und dabei das eigene Klagen über die wirtschaftliche Situation auf ungeschliffene Hörner nimmt – Seitenhiebe auf die Freie Kölner Theaterszene und das Schauspielhaus inklusive.
Die Produktion aus der neuen Reihe des FWT, Ein Stück weiter #Verständigung, wandelt faszinierend zielsicher entlang verwachsener Pfade, die allesamt zur heiligen Kommunion des rechthaberischen Ichs führen. Hier wird rund um die Uhr gesendet, aber (bewusst) nichts empfangen. Als nicht minder wahrhaftige Dreifaltigkeit dekonstruiert das Trio nüchtern bis brüllend die Vorstellung von Fortschritt durch Kommunikation.
Fünf Minuten Stille | 13.12. 20 Uhr, 14.12. 18 Uhr (weitere Termine in Planung) | Freies Werkstatt Theater | www.fwt-koeln.de
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