Sie ist blasphemisch und obszön. Wenn sich Merteuil an ihre verflossenen Liebhaber erinnert, denkt sie an „die verschiedene Krümmung ihrer Schwänze“. Heiner Müllers „Quartett“, eine Bearbeitung des Briefromans „Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos aus dem Jahr 1782, spart nicht mit Explizitem. Umso verblüffender, dass die Inszenierung von Catherine Umbdenstock distanziert, glatt und wenig widerständig ist. Zu oft verlieren sich Regisseurin und Spieler (Alexandra Lowygina und Carl Bruchhäuser) in mutlosen Albernheiten. So reiben die Spieler in einer Szene ihre bekleideten Leiber aneinander, als wären sie zwei Jugendliche aus den 1980ern, die sich im Petting üben.
Vollkommen unterschlagen wird Müllers Setzung: „Salon vor der französischen Revolution – Bunker nach dem Dritten Weltkrieg“. Die dem Text vorangestellte Bemerkung entgrenzt die Zeit der Handlung vom Kondensationspunkt aller sich klassenlos begreifender Gesellschaftsentwürfe bis hin in die katastrophale Zukunft. Der darin ausgedrückte Geschichtspessimismus, den Müller mit „Quartett“ über das Verhältnis der Geschlechter stülpt, geht dem Abend völlig ab. Fortschritt, so Müller, ist nämlich nirgends. Dennoch bietet der Abend auch wunderbare Momente. Wie jener, als Bruchhäuser die Hand der prüden Klosterschülerin Volanges an sein Gemächt führt. Die Reaktion von Lowygina ist in ihrem Flirren zwischen Ekel und Verlangen so genau gespielt, dass das Publikum zu einem kollektiven Schmunzeln ansetzte. Getragen wird der Abend aber weitestgehend von Müllers hervorragender Sprache.
„Quartett“ | R: Catherine Umbdenstock | 18.-20., 31.10. je 20 Uhr | Freies Werkstatt Theater | 0221 32 78 17
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