In den Bunkern der Welt geht es hoch her, wehe wenn die Situation aussichtslos, die Übermacht erdrückend, der Gegner ein Schlächter ist. Friedrich Hebbels Tragödie „Judith“ erzählt von so einer Situation, die Malerei hat sie zahlreich thematisiert, im großen Kölner Depot 1 hat Christina Paulhofer die Auseinandersetzung zwischen dem Heerführer Holofernes und der schönen Judith in eine zeitlose Welt katapultiert und den mechanisierten Mythos, der sich um diese beiden Figuren rankt, gnadenlos außer Acht gelassen. Vielleicht ist der immer hineininterpretierte Konflikt am Ende gar nicht mehr so interessant wie der existenzielle Vorgang an sich und der immer rollende Kopf des Mannes Holofernes.
Paulhofer inszeniert in einem Betonklotz, mit atemloser Choreografie und großen Bildern, die teilweise von einer Echtzeitkamera auf die Flächen geworfen werden und tiefe Einblicke in die Mimik der Protagonisten zeigen. Ein ständiges auf und ab hinter dem Bunker, mit schmaler Spielfläche auf dem Dach, die riesige Sandfläche mit rituellen Feuern verweben eigentlich mehr als sie die Handlung unterstützen. Wenn sich das Volk der Ebräer wie Ameisen durch einen engen Spalt in der Mauer quetscht, wenn Judith einsam, aber angestrahlt in der Ecke hockt, dann bekommen die Regieideen viel Macht, die Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau werden überblendet. Beide sind sie starke Führer der Ihren, beide haben die Spitze der Macht-Pyramide erklommen, der Preis ist Einsamkeit und grenzenlose Egos.
Judith ist eine Tragödie in fünf Akten von Friedrich Hebbel aus dem Jahre 1840 und das erste von ihm geschriebene Drama überhaupt, er adaptierte dafür die biblische Geschichte um die schöne Frau. Die geht unbewaffnet in das Heerlager der Truppen Nebukadnezas um die Stadt Bethulien zu retten. Hebbel wollte aber keine Heldin, die jubelt, wenn sie das Haupt des Holofernes im Sack davonträgt. Diese Geschichte interessierte ihn nicht, ihn interessierte der Kampf der Geschlechter auf Deubel komm raus. „Das Weib muss nach der Herrschaft über Mann streben, weil sie fühlt, dass die Natur sie bestimmt hat, ihm unterwürfig zu seyn". So der Dichter. Und Judith hat bei ihm und bei Paulhofer in Köln kein Glück mit den Männern. Ihr erster brach in der Hochzeitsnacht vor dem Vollzug der Ehe zusammen, der zweite Ephraim hat Furcht davor, den Holofernes für sie zu töten, dann könne sie ihn lieben, sagt sie. Als sie mit dem Heerführer auf dem Bunker zusammentrifft, ist sie sichtlich von dessen Dominanz beeindruckt, gibt sich ihm hin, ohne an ihren eigentlichen Auftrag zu denken, erst die Konsequenz, ein Kind des Gottlosen zu bekommen, lässt sie die Tat vollenden.
Insofern wird die eindrucksvolle, weil visuell ziemlich ausgefeilte Inszenierung wieder schlüssig. Der Kampf der Geschlechter, kann, wenn er auf Augenhöhe stattfindet, kein gutes Ende nehmen. Ob damit eine Stadt oder gar ein ganzes Volk gerettet wird, ist eigentlich egal. Bei Hebbel ist es ein Volk, das auch noch seine Propheten aus Furcht ermordet. Verdient hätte es das eigentlich nicht.
„Judith“ | So 19.1. 16 Uhr | Depot 1, Schauspiel Köln | 0221 22 12 84 00
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