Sandro Giampietro, Helge Schneider, Leo Richartz (v.l.)
Foto: Hartmut Ernst

Praktisch plötzlich doof sein

01. Dezember 2025

Helge Schneider präsentiert seine neue Tour – Prolog 12/25

Im August ist Helge Schneider 70 Jahre alt geworden. Seit knapp 50 Jahren bestreitet er seinen Unterhalt mit Quatsch und Jazz auf der Bühne. Mit „The Klimperclown“, dem Titel seiner kürzlich erschienenen Mockumentary, fasst der Künstler die eigene Bandbreite gelungen selbst zusammen. Im Grunde aber ist Helge Schneider vor allem eins: Jazz.

Karneval 2026 spielt er wieder traditionell in der Kölner Philharmonie auf und eröffnet damit seine neue Tour „Ellebogen vom Tich!“. Wie kommt man denn bitte auf so einen Titel? „Man muss sich, sag ich mal, reduzieren in seinen Gedanken. Man muss praktisch plötzlich doof sein,“ erklärt Helge Schneider gut aufgelegt den Journalist:innen, die er in die Kölner Wohnzimmerkneipe Weißer Holunder geladen hat. Eine Location, die nicht besser hätte ausgesucht werden können: Gerahmt von purem Nostalgie-Inventar aus den 1950er Jahren, versammelt sich Helge Schneider mit Leo Richartz (Kontrabass) und Sandro Giampietro (Gitarre) auf der kleinen, atmosphärisch ausgeleuchteten Bühne. Schneider ist zum ersten Mal hier, „Weißer Holunder“ kannte er bisher „nur von auf’m Pfannkuchen“.

Die drei Männer hier bilden auch das Trio, das die Tour bestreitet. So wie in den 1990ern, als Schneider mit seiner kleinen Band Hardcore (Peter Thoms, Buddy Casino) erste Erfolge verbuchte – Back to the Roots. Auf die Frage, was die anstehende Tour besonders mache, erörtert er: „Dass sie erst nächstes Jahr stattfindet.“ Abgesehen davon bleibt es neben dem reduzierten Personal – „Drei sind genug!“ – ebenso bühnentechnisch eher bodenständig: „Ich kann auch verzichten auf so Fisimatenten wie zum Beispiel an ner langen Kette vom Bühnenhimmel runter gelassen zu werden und dann unten im Spagat aufzukommen. Weil das kann ich nicht.“

Natürlich ist der Klimperclown auch im Karneval bewandert: „Für mich ist die Karnevalszeit die lustigste Zeit dieser Zeit des Karnevals.“ Helge Schneider begegnet den Fragen bewährt souverän, improvisiert, wird anekdotisch, spielt spontan „Es hat gefunkt bei mir“. Auch eine Pressekonferenz ist ein Event, ist Show, großes Entertainment. Aber Helge Schneider gibt auch Einblicke, erzählt davon, was ihn – „Ist mir so rausgeflutscht“ – inspiriert. Verweist auf sein Vorbild Victor Borge. Auf die großen Entertainer, in deren Reihe er sich sieht: „Sammy Davis Jr., Frank Sinatra, ich, Kalkbrenner.“ Auf die Musiker und Komponisten, deren Musik er liebt, von Alfred Brendel über Glen Gould bis Vladimir Horowitz.

Ob Philharmonie oder Weißer Holunder: Immer ist zu spüren, wie wohl sich Helge Schneider auf der Bühne fühlt. Wir wollen wissen, was die Bühne für ihn ausmacht, was ihm die Bühne für ein Ort ist. „Die Bühne ist mein Arbeitsort. Also die Baustelle, oder Künstlerwerkstatt. Das ist also meine Arbeit. Und die mach ich gerne, und deshalb höre ich auch nicht auf damit. Ich mache das auch wegen mir.“ Ein Rezept, das so vielen ganz rasch ein Lächeln ins Gesicht zaubert, auf Tour ebenso wie bei der Pressekonferenz. Helge Schneider ist ein Meister. Musiker. Clown. Entertainer. 2026 auf Tour mit über 70 Shows.

Helge Schneider: Ellebogen vom Tich! | 13.2.26-18.3.27. | div. Orte | helge-schneider.de

Hartmut Ernst

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