Dienstag, 11. September: Die eigentliche Intention von Philip Scheffners Film „Revision“ hatte darin bestanden, eine Dokumentation über Erinnerung zu machen. Mit diesem Hintergrund war er zusammen mit seinem kleinen Team nach Rumänien gereist, um zwei Familien zu interviewen, deren Väter respektive Ehemänner 1992 auf einem Feld in Mecklenburg-Vorpommern nahe der deutsch-polnischen Grenze erschossen worden waren. Völlig überrascht musste er feststellen, dass sowohl die Hinterbliebenen von Grigore Velcu als auch die von Eudache Calderar, beide der Ethnie der Roma angehörig, nahezu nichts über die Hintergründe der gewaltsamen Tode der beiden wussten. Auch die sich über mehrere Jahre hinziehenden Prozesse in Deutschland waren ihnen gänzlich unbekannt. Ein Film über Erinnerung war so gar nicht mehr möglich, da das Filmteam zum eigentlichen Überbringer der Nachrichten geworden war. Philip Scheffner, der seinen Film persönlich in der Filmpalette vorstellte, fragte sich und sein Publikum nach wie vor entgeistert: „Wie kann es eigentlich sein, dass wir als Filmteam in diese Position kommen?“

Der Filmemacher hatte persönlich zum ersten Mal im Jahr 1996 von dem Zwischenfall erfahren, vier Jahre nach der eigentlichen Tat, als er mit Recherchen zu einem anderen Film beschäftigt war. Obwohl ihn gleich die Faszination für das Thema packte, schreckte er zunächst davor zurück, sich filmisch mit ihm auseinanderzusetzen, weil er kein Rumänisch sprach und ihm die Sprachbarriere zu hinderlich erschien. Im Laufe der Jahre ließ ihn das Thema aber einfach nicht los, bis er sich schließlich doch dazu entschloss, den sonderbaren Vorfällen auf den Grund zu gehen. Dass er dabei mehr zutage förderte, als bei den offiziellen Nachforschungen der Behörden herausgekommen war, verwundert einen kaum mehr, wenn man etwas tiefer in die Hintergründe der tödlichen Schüsse eintaucht. Aufgrund einer absurden Verfahrenslogik und der damals herrschenden gesellschaftlichen Situation in (Ost-)Deutschland waren schließlich auch die Familien der Opfer zwanzig Jahre lang von jeglichen Informationen ausgeschlossen gewesen.

Die Familien Velcu und Calderar, die ein solch einschneidender Schicksalsschlag eint, begegneten sich tatsächlich zum ersten Mal im Schnittraum bei Philip Scheffner. Der Regisseur weiß, dass er mit seinem Film auch Tabus innerhalb der Opfer-Familien gebrochen hat, weil sie vor seiner Kamera erstmals über die zwanzig Jahre zurückliegenden Ereignisse auch untereinander in dieser Deutlichkeit gesprochen haben. „Ich habe keine Ahnung, ob das gut ist, und was nun dadurch ausgelöst wurde.“ Immerhin konnte Scheffner berichten, dass Mitglieder der beiden Familien bei der Welturaufführung von „Revision“ auf der Berlinale als Gäste dabei waren, genau wie einige Zeit später bei einem Screening auf einem rumänischen Filmfestival, und dass es wichtig und richtig für die Hinterbliebenen war, dass die Ungerechtigkeiten, die 1992 stattfanden, nun einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden und dass die Namen Grigore Velcu und Eudache Calderar nicht vergessen werden.
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