Montag, 6. Mai: „Kein Mensch ist illegal“ – unter diesem Motto wirkt das gleichnamige „Netzwerk gegen Abschiebung und Ausgrenzung in Köln“, das nun gemeinsam mit der Kinogesellschaft Köln, der Filmpalette und dem FilmInitiativ Köln kurz nach Bundesstart den Film „Fremd“ am Eigelstein präsentierte. Dafür war die Autorin und Regisseurin Miriam Faßbender persönlich zur Vorführung in Köln angereist, wo sie im Anschluss an die Vorführung dem Publikum lange Rede und Antwort stand. In ihrem ersten Langfilm hat die Autodidaktin, die bislang hauptsächlich als Kamerafrau (u.a. an Großproduktionen wie „Der BaaderMeinhofKomplex“ oder „Wüstenblume“) gearbeitet hat, einige Subsahara-Afrikaner auf ihrem beschwerlichen Weg ins verheißungsvolle Europa mit der Kamera begleitet. Die erste Idee zu ihrem Projekt „Fremd“ reicht dabei bis ins Jahr 2005 zurück, als Faßbender in Marokko Migranten kennenlernte, auf die geschossen worden war, als sie zu mehreren Hundert versucht hatten, die Grenzzäune des Landes zu erstürmen. „Die Ungerechtigkeit hat mich geärgert“, erläuterte die Filmemacherin in der Filmpalette, zumal in den Medien häufig das einseitige Bild von einer Masse Einwanderer gezeichnet würde, die Europa stürmen wollte.
Dass es auch innerhalb Afrikas große Migrantenströme gäbe, deren Ziel gar nicht im Erreichen eines anderen Kontinents läge, machte Miriam Faßbender beim Publikumsgespräch ebenfalls klar. Bei der direkten und persönlichen Begegnung mit Betroffenen aus Afrika „hatte [ich] mit dem Privileg, in Europa geboren zu sein, sehr zu kämpfen“, so die Regisseurin. Ihrer Meinung nach müsse man endlich die Unterscheidung bei Asylsuchenden aufheben, da Wirtschaftsmigranten längst noch nicht den gleichen Status hätten wie Migranten, die aus Krisengebieten nach Europa kommen. Die zwei Hauptprotagonisten in „Fremd“, Mohamed und Jerry, sind solche Wirtschaftsflüchtlinge, die die älteste Handelsroute durch Afrika nach Europa nutzten, die mittlerweile zur wichtigsten Migrantenroute geworden ist. 2006 hatte Faßbender Mohamed in Mali kennengelernt und beschloss recht schnell, ihn zu einer der Hauptfiguren in ihrer Dokumentation zu machen, da er sein Heimatland eigentlich gar nicht freiwillig verlassen wollte. Als erstgeborenem Sohn kam ihm aber innerhalb seiner Familie diese Verantwortung zu, da er für diese in Europa Geld verdienen sollte, um sie zu Hause finanziell zu unterstützen.
„Das Mitreisen bei der Migration fand ich für mich als Europäerin anmaßend“, erläuterte die Regiedebütantin den Zuschauern. Schließlich hätten ihr alle Wege offen gestanden, während sich ihre Protagonisten mit gefälschten Visa und Ausweisen auf riskante Grenzüberschreitungen begaben, die jederzeit wieder zur Abschiebung führen konnten. Deswegen gab sie Mohamed nach Absprache mit ihrem Produzenten eine Mini-DV-Kamera mit auf den Weg und bat ihn, wichtige Stationen seiner Reise selbst zu filmen. An einem festgelegten Treffpunkt im Maghreb wollte sie dann später wieder auf die Flüchtlinge treffen. Aber selbst das hört sich leichter an, als es sich tatsächlich gestaltete. „Oberste Prämisse war immer, die Beteiligten am Film nicht zu gefährden und ihre Tarnung nicht auffliegen zu lassen.“ Deswegen nutzte die Filmemacherin selbst die vor Ort arbeitende Automafia, um sich an die geheimen Treffpunkte der Migranten fahren zu lassen. Durch ihr sensibles Vorgehen ist es Miriam Faßbender gelungen, den Migranten ein Gesicht und eine Stimme zu geben und mittels der Schilderung von Details über Situationen aufzuklären, die man ansonsten durch die Medien nur mit dem Schicksal einer gesichtlosen Masse in Verbindung bringt. Die Filmemacherin steht nach wie vor in Kontakt mit Mohamed und Jerry. Mohamed ist zurück im Norden Malis, wo er als Busfahrer arbeitet, um seiner Familie im Süden wenigstens einen Bruchteil des gewünschten Geldes schicken zu können. Jerry hat es bis nach Frankreich geschafft, wo er allerdings nicht glücklich geworden ist.
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