Manchmal ist Fernsehen schöner als Theater. Denn dort weiß man wenigstens, dass man den flimmernden Bildern auf keinen Fall trauen darf, weder bei den börsennotierten Sendern, noch bei den staatlichen Gebührenfressern. Aber – auf dem Flachbildschirm wie auf der Bühne im Theater Bonn-Bad Godesberg kommt (zwangsläufig) irgendwann ein, zu diesen unruhigen Zeiten wohl unumgängliches – „News-Spezial“ zu irgendwelchen aktuellen Polit- oder Katastrophenthemen. Zwangsläufig auch auf der Bühne, man behauptet ja zeitgenössischen Zeitgeist, man scheint sich wissend, man gibt sich progressiv (ups, zu altes Wort?), besser zeitgenössisch diskursiv. Und in Zeiten von Wikipedia scheinen selbst Rechercheprojekte in Geheimdienstkreisen ja kurzfristig stemmbar. (Die Stückversion war wohl fertig in insgesamt sechs Wochen, mit Inszenierung, so die Dramaturgie - und man hat es nach dem Berliner Weihnachtsmarktanschlag sogar aktualisiert.)
In „BND – Big Data is watching you“ wird das Publikum mit der „erschreckenden Wahrheit“ konfrontiert, dass nichts mehr ist wie es scheint, dass alles nur noch Lug und Trug, und die Werte, die einst noch ehern schienen, heute mehr an Wackelpudding erinnern. Als Rahmenhandlung zum „unerhörten“ Faktencheck implementiert hat die Regie eine, na sagen wir mal „Story“ um den Informatik-Nerd Franke (Benjamin Berger) und seine schwangere Freundin (Lara Waldow), die in Berlin kurz vor der Entbindung steht. Beide werden in Berlin und Bonn (Sitz des BND) und in diversen irakischen Kriegsgebieten ziemlich durchgeschüttelt, die Stereotypen der Feindaufklärung (ein bisschen wie Arnie in „True Lies“) mimen die drei Schauspieler (Wilhelm Eilers, Glenn Goltz, Manuel Zschunke) perfekt, auch das einprogrammierte Psychopathische fehlt nicht, am Schluss gibt’s sogar das ein unerwartetes Ende. Beim „Recherche-Thriller zur allgegenwärtigen Überwachung“ (so der Untertitel) wird es davor allerdings ziemlich wirre, alternative Fakten wären ein Dreck dagegen, hier verschwimmen Wahrheit, Realität, Wahn und Google, ja man hat das Gefühl bei dem häufigen Qualm auf der Bühne, dass „vielleicht Belzebub hier durchpassiert“ (Kleist), oder war es doch die Sauerlandgruppe?
Jedenfalls lässt Regisseur Simon Solberg seinen Protagonist Francke wie Alice im Wunderland durch die Welt der Geheimdienste taumeln, jeder halbwegs Gebildete im Publikum weiß, dass das auf der Bühne alles Kinderkram ist angesichts der Realität um uns herum. Ich hatte zufällig das Glück neben einem älteren Herrn zu sitzen, der zu Schah-Zeiten fünf Jahre im Iran gearbeitet hat, das kurze Gespräch war spannender als das ganze Stück. Noch schnell den Plot: Gesucht wird BND-Mitarbeiter Gruber, der wohl diesem Anis Amri geholfen hat, aus Berlin zu fliehen, den Gruber gibt es aber wohl gar nicht, NSA, Netbotz, Curveball, weapons of mass distruction, im Background wieder Nebel zu Shaft-Filmmusik, Gruber taucht im Video auf, ist aber offensichtlich maskiert. Francke war es selbst, um die Machenschaften aufzudecken. Ist nicht wahr. Der Nerd ist jetzt am Rande des Nervenzusammenbruchs, die schwangere Nadine auch. Für sie bleibt er Er und nicht ein anderer. Na klar. Letzter Satz. „Aber irgendjemand muss doch die Verantwortung übernehmen für das alles.“ Ich nicht.
„BND – Big Data is watching you“ | R: Simon Solberg | Fr 2.6., Mi 14.6., Sa 24.6. 19.30 Uhr, So 18.6. 18 Uhr | Kammerspiele Bonn | 0228 77 80 08
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