Das X in „X-Freunde“ steht nicht für Exstasy. Obwohl man meinen könnte, dass die drei Protagonisten des neuen Stückes von Felicia Zeller jede Menge Aufputschmittel intus haben. Immer kurz vorm Nervenzusammenbruch quasseln sie egomanisch von ihrer im Stress versunkenen Lebensrealität. Sie telefoniert, postet, twittert und rödelt unentwegt herum – die „Generation Beißschiene“, wie Zeller die modernen Arbeitstiere nennt, deren Welt zwischen Privat und Beruf verschwimmt. „Stress soll ja auch positiv sein“, beendet Peter einen monologischen Redeschwall.
Für seine Skulpturen-Reihe „X-Freunde“ reicht es dagegen nicht einmal zum ersten Schlag. Zwischen Kieferstarre, Gesichtslähmung und Kopfschmerz gilt für den freischaffenden Künstler wie für die selbstständige Unternehmerin Anne und den arbeitslosen Home-Manager Holger nur eins: Selbstdarstellung um jeden Preis und Keyword-Geschmeiße, auch wenn die Zunge hinterherhinkt. Die zerstückelte Kunstsprache mit abbrechenden Sätzen ist typisch für die Autorin Felicia Zeller. „X-Freunde“, von „Theater heute“ zum Stück des Jahres 2013 gewählt, erzählt von Menschen-Maschinen, die kurz vorm Kollaps immer wieder auf „Neustart“ drücken. Kay Link inszeniert es treffend nicht als psychologisches Spiel, sondern als Sprachballett zwischen Werbesprech und Floskelpirouetten. „Du wirfst hier `n riesen Schatten auf meinen Bildschirm.“ Selbst im Urlaub zieht Anne den Laptop, den sie kurz zuvor in Gebärposition einer Schublade entnommen hatte – Kinder wird es ohnehin nicht geben –, ihrem Mann Holger vor.
Großartig gibt Johanna Paliatsou den manischen Workaholic. Hinter durchsichtigen Stellwänden und einer Unmenge gelber Post-Its organisiert sie sich in die Isolation. Dank gelbem Top wird sie einmal selbst zum Post-It. Auch der krisengebeutelte Peter, den Sunga Weineck herrlich zwischen Selbstüberschätzung und totaler Verzweiflung ansiedelt, hat noch ein paar Projekt-Zettelchen vorzuweisen. Holger, ohne Grund stets beschäftigt, dagegen nur einen einzigen: „Baumarkt“. Thomas Hupfer zeigt einen qualvoll sich Erbrechenden. Dass er sich umgebracht hat, merkt Anne erst nach 36 Stunden. Weitermachen, auch wenn nichts mehr geht: das Symptom einer überforderten Gesellschaft. Zeller gibt ihr die richtige Sprache. Link übersetzt sie in schlaue Bilder. Muss man unbedingt sehen.
„X Freunde“ | R: Kay Link | 27./28.12./3./4./8./9.1. 20 Uhr | Freies Werkstatt Theater, Köln | 0221 32 78 17
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