Die Konzentriertheit und Stringenz beeindrucken: Nach drei Jahren, in denen das Museum über der Neumarkt Passage saniert wurde, erschließt sich das Werk von Käthe Kollwitz in aller Deutlichkeit. Das ihr gewidmete Museum erhielt ein neues Lichtkonzept, die Klimabelastung wurde gesenkt und im Erdgeschoss wurde das „Kollwitz Forum“ eingerichtet. Auch fand die Übergabe der Leitung von Hannelore Fischer, die das Haus etabliert hat und in den Ruhestand getreten ist, an die bisherige Kuratorin Katharina Koselleck statt. Die Neupräsentation in den renovierten Räumen, die in ihrer Struktur unverändert geblieben sind, ist also die Premierenausstellung. Die neue Direktorin hat ganze Arbeit geleistet und mit dem Sammlungsbestand zu Käthe Kollwitz einen feinen Klang entwickelt, der die Aktualität ihrer Sujets und Fragen zeigt. Der Parcours schält den sozialkritischen Impetus der Kollwitz heraus, ihren Blick für Unrecht und Not und ihr Engagement für Frauen.
Auf die Bedeutung von Käthe Kollwitz (1867-1945) kann nicht oft genug hingewiesen werden. In der damaligen Zeit gehörte sie zu den wenigen Frauen, die als Künstlerin ausgebildet wurde. Mit ihren grafischen Werken und Skulpturen ist sie schonungslose und empathische Chronistin ihrer Zeit. Ab 1891 verheiratet mit einem Arzt, der seine Praxis in einem Arbeiterviertel in Berlin betrieb, fiel ihr zweiter Sohn im Ersten Weltkrieg. In der stetig anwachsenden Metropole hatte sie die Überbevölkerung und Obdachlosigkeit vor Augen, sah die mangelnde Hygiene und Kindersterblichkeit ebenso wie die Kriegswitwen und Waisen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Sie erfuhr, wie die Arbeitslosigkeit, Armut und Hungersnot zunahmen.
Käthe Schmidt (Kollwitz), Porträt Else Rupp, um 1890, Öl auf Leinwand, 61,5 x 49,5 cm, Dauerleihgabe aus dem Nachlass Rautenberg im Kollwitz Museum Köln, courtesy Kollwitz MuseumZu ihren Sujets gehören die Gleichstellung der Geschlechter, die Fragen der Schwangerschaftsabbrüche, die sozialen und politischen Ungerechtigkeiten und der Protest gegen den Krieg, denen sie auch mit Zeichnungen zur Französischen Revolution, druckgrafischen Zyklen zum Bauernaufstand und Blättern zu Karl Liebknecht auf dem Totenbett nachging. Stilistisch zwischen Realismus und Expressionismus, ruft Käthe Kollwitz zu Haltung und Solidarität auf, etwa in ihren Zeichnungen für die Zeitschrift „Simplicissimus“ und mit Plakaten und Mappen, mit denen sie von der SPD, KPD oder dem internationalen Gewerkschaftsbund betraut wurde. Zugleich schwingt das eigene Leben mit, in der Darstellung von Säuglingen, der Verbundenheit von Mutter und Kind und der Beschreibung des Alters. Dazu sind etliche ihrer Selbstporträts ausgestellt.
Der Rundgang im Kollwitz Museum orientiert sich an ihrer Biographie. Mit der Wandgestaltung und Texten werden die großen druckgraphischen Serien zu Leitmotiven. Vorzüglich gelingt die Integration von Dauerleihgaben und Neuerwerbungen, wobei zusammengehörige Werke erstmals seit Jahrzehnten wieder gemeinsam präsentiert werden können. Ihren Platz finden auch großartige Einzelwerke wie das frühe Porträt von Else Rupp – eines von ganz wenigen Gemälden der Kollwitz.Deutlich wird, einmal mehr: Käthe Kollwitz ist eine hochbedeutende Künstlerin, die Fragen aufwirft, die uns noch heute betreffen und noch immer nicht gelöst sind.
Kollwitz neu sehen | bis 15.3. | Kollwitz Museum Köln der Kreissparkasse Köln | 0221 227 28 99
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