Auch Tote können vergiftet werden. 10 Jahre ist es her, dass das Ehepaar seinen verunglückten Sohn begraben hat. Als die Kontaminierung des Friedhofs festgestellt wird und eine Umbettung ansteht, treffen sich die inzwischen geschiedenen Eltern erstmals wieder. Im Theater Tiefrot beherrscht die Trauer schon den Raum: Im schwarzen Bühnenkasten dominieren ein weißes Kreuz und weiße Quader zum Sitzen: eine gebaute Traueranzeige. Volker Lippmann mit grauen schulterlangen Haare, schwarzem Anzug, offenem Hemd sieht aus wie ein französischer Intellektueller, lehnt lässig am Kreuz und wartet; Julia Karl wiederum trägt weißes Sommerkleid zum schwarzen Mantel. Es entspinnt sich eine Choreografie aus Nähe und Distanz, Annäherung und Missachtung, Konfrontation und Vertrautheit – ein Positionsspiel, in dem sich die unterschiedlichen Formen der Trauer herausschälen.
Der Mann, der wieder geheiratet hat und mit seiner neuen Frau ein Kind erwartet, und die Frau, die an der Trauer zu ersticken droht. Sie ist anfangs in der Defensive, macht alte Rechnungen auf; ist mühsam gefasste Wunde, die der Souveränität des Mannes nur wenig entgegensetzen kann. Er dagegen scheint bar jeder Unsicherheit, alles ist Suche ohne Gefühlskälte. So lächerlich die Geschichte vom Singen im Chor als Lösungsmittel der Trauer, so zwiespältig das Schreiben eines Romans über einen Vater und einen Jungen sein mögen, sie haben dem Mann eine neue Perspektive eröffnet. Eine kurze Umarmung führt direkt in die Abstoßung, als er gesteht, wieder verheiratet zu sein. Julia Karl und Lippmann vertrauen eher auf den großen psychologischen Bogen. Sie loten weniger die Nuancen aus, sondern geben der Grundhaltung mit wechselnden Emotionen immer neue Farbabstufungen. Die Sprengkraft mancher Dialogzeile wird verrechnet mit einer strengeren emotionalen Rahmung. Es ist dann vor allem die Erinnerung an die gemeinsam geteilte Geschichte, die allmählich eine zögerliche Eintracht herstellen. Er hat Schokolade dabei, die sie mag, sie teilen sich Wasser und Wein. Es dauert lange, bis sie den Satz „Ich will wieder glücklich sein“ aussprechen kann.
„Gift“ | R: Volker Lippmann | 17., 19., 20., 24.2. 20.30 Uhr | Theater Tiefrot | 0221 460 09 11
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