Regisseurin Johanna Moder mit Hauptdarsteller Marcel Mohab

Kräftemessen zwischen Brüdern

07. Mai 2015

„High Performance“ im Odeon – Foyer 05/15

Mittwoch, 6. Mai: Zwei junge Künstler, die sich schon seit vielen Jahren kennen und gemeinsame Projekte verwirklichen, stellten nun zusammen ihren ersten Langspielfilm als Köln-Premiere im Odeon-Kino ihrem Publikum vor. Johanna Moder, die bislang schon einige Kurzfilme inszeniert hatte, legte mit „High Performance“ ihre Abschlussarbeit an der Filmakademie Wien vor, wo sie das Fach „Regie“ belegt hatte. Als Hauptdarsteller hatte sie einmal mehr Marcel Mohab gewinnen können, der nun gemeinsam mit Moder in Köln bei der Premiere am Tag vor dem bundesweiten Kinostart anwesend war und im Anschluss an die Projektion den Fragen des Moderators Piet Fuchs Rede und Antwort stand. Die beiden sympathischen jungen Österreicher verzückten dabei das Publikum, insbesondere, weil sie sich als eingespieltes Team gegenseitig hochnahmen und zahlreiche Bemerkungen mit ironischem Unterton versahen. Stephan Winkler, Verleihchef des Kölner Labels „W-film“, das „High Performance“ nun bundesweit in die Kinos bringt, war Anfang 2014 auf Moders Debüt aufmerksam geworden, als es beim 35. Max-Ophüls-Filmfestival in Saarbrücken mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Nun zeigte er sich stolz, die Premiere noch vor der Aufführung in Berlin in der Domstadt über die Bühne bringen zu können.

Piet Fuchs, Marcel Mohab, Johanna Moder und Stephan Winkler

Beim anschließenden Gespräch lenkte Schauspieler und Filmemacher Piet Fuchs die Diskussion auf die im Film recht bedeutende Brudergeschichte. Dabei konnte er in Erfahrung bringen, dass Moder im wirklichen Leben zwei Brüder und Mohab eine Schwester hat. Dazu die Regisseurin: „Die Bruderbeziehung war sehr leicht zu entwickeln, und auch Marcel war schnell drin in diesem Hickhack und Kräftemessen.“ Als seinen brüderlichen Gegenspieler hatte Moder Manuel Rubey besetzt. „Der ist in Österreich der bislang erfolgreichere Schauspieler der beiden, weswegen die Rollenverteilung ebenfalls von Anfang an klar war.“ Rubey schlüpfte demnach in die Rolle des aalglatten Erfolgsmanagers, wohingegen Marcel Mohab den unbekümmerten Künstlertypen gab, der noch immer von den Zuwendungen seines Vaters abhängig ist. Die im Film so elegant wirkende Rutschszene bei der Theaterperformance zeitigte im wirklichen Leben allerdings weniger schöne Konsequenzen. Mohab verletzte sich dabei so schwer am Meniskus, dass er seither keinen Fußball mehr spielen kann, was seine große Leidenschaft war.

Johanna Moder zu Gast im Odeon-Kino

Johanna Moders ursprüngliches Drehbuch drehte sich im Kern um eine Wirtschaftsdetektivgeschichte, erst später sei daraus wie beiläufig eine Komödie entstanden. Die Filmemacherin fand insbesondere spannend, wie auch Künstlertypen wie sie und Marcel Mohab selbst das System, das sie eigentlich als schlecht charakterisieren, am Ende doch zu nutzen verstehen, weil Kunst ohne das Engagement von einigen erfolgreichen Wirtschaftsunternehmen und deren Förderungen in unserer heutigen Zeit gar nicht mehr denkbar wäre. Piet Fuchs gefiel insbesondere, dass so ein komplexes Thema mit den Mitteln der Komödie transportiert wurde. Dazu noch einmal Johanna Moder: „Für mich war es ein Lernprozess, wie ich das Thema zugänglich rüberbringen konnte. Der Film in seiner finalen Form hat sehr viele Türen für mich und meine neuen Projekte geöffnet.“ Für sie steht außer Frage, dass auch Marcel Mohab bei diesen wieder mit dabei sein wird – schließlich haben die beiden von ohne Gelder produzierten Kurzfilmen bis hin zu ihrer gemeinsamen Performancegruppe „Gruppe Dagmar“ schon einen längeren künstlerischen Weg gemeinsam bestritten.

Text/Fotos: Frank Brenner

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