Eine Familie. Ein Hund. Eine kleine Wohnung mitten in Berlin-Kreuzberg. Dann der Kontrast: Wald, Weite, ein einsames Holzhaus in Schweden. Der Traum vom Raum … Doch das Haus im Wald ist noch nicht „Auszug“ genug, die Häuslichkeit engt noch immer ein, die Möbel müssen raus. Der atmosphärische Kurzfilm „Exterior“ von Kaspar Peters erinnert in seiner experimentellen Filmsprache an Ingmar Bergmanns „Licht im Winter“ – und wurde sogar im gleichen schwedischen Wald gedreht, wie später von Kaspar Peters selbst offenbart wird. „Exterior“ ist der erste Film an diesem Abend, dem 16. November 2022, und zugleich der erste Kurzfilm des diesjährigen Deutschen Wettbewerbs, der wie immer das Herzstück des Kurzfilmfestivals Köln (KFFK) darstellt. Die Vorauswahl trifft ein fünfköpfiges Kurator:innen-Team aus einer großen Anzahl in Deutschland oder mit deutscher Produktionsbeteiligung entstandener Kurzfilme. Insgesamt werden an diesem Abend im Filmhaus fünf Kurzfilme gezeigt, die sich auf unterschiedliche Weise dem Thema Raum nähern.
Die flüsternde Stimme aus dem Off, die mantraartig mysteriöse Phrasen auf Englisch wiederholt, zehrt an den Nerven. Durch die vorangestellte Triggerwarnung wartet man nun auf Folter, Tod und Sterben, ist auf das Schlimmste gefasst, als ein Gewehr auftaucht. Stattdessen langsame Szenen, klassische Musik, ekstatisches Tanzen, Blicke. Später stellt sich heraus: Die Triggerwarnung bezog sich wohl auf den zweiten Film an diesem Abend: „Handbuch“ von Pavel Mozhar rekonstruiert auf reduzierte aber ausdrucksstarke Weise die Inhaftierung und Folter von Demonstrant:innen nach Protesten in Belarus 2020.
Nach „Exterior“ und „Handbuch“ folgt „Hegn (Fence)“ von Hilke Rönnfeldt: ein Wildschwein-Zaun entlang der deutsch-dänischen Grenze, Traumsequenzen und intime Gespräche über die Aufteilung des Bettes bei Nacht. Kann es Räume ohne Grenzen geben? Was passiert, wenn ein Raum durch Erinnerungen und Bilder in einer alten Form weiterexistiert, nachdem er längst verlassen und verändert wurde? In „Hoamweh Lung“ von Felix Klee wird in schwarz-weiß ein einst vertrauter Hof über Archivmaterial und 3D-Onlinekarten digital besucht. Entlassen wird das Publikum mit dem humorvollen Animationsfilm „A Goat’s Spell“ von Gerhard Funk, der bunte Illusionen von der Schafswiese bis hin zum Weltraum erschafft.
Die weiteren achtzehn Filme des deutschen Wettbewerbs werden an den darauffolgenden Tagen gezeigt. Am Ende entscheidet eine Jury über die Vergabe der Preise. Wie auf der Preisverleihung am 20. November bekannt gegeben, gehen die Jurypreise diesem Jahr an: „Will My Parents Come to See Me“ von Mo Harawe, „Subtotals“ von Mohammadreza Farzad und „Unfertiges Land“ von Jonathan Schaller. Außerdem gibt es einen Publikumspreis, über den die Zuschauenden am Ende einer jeden Vorführung anonym auf kleinen Wahlzetteln abstimmen können. Diesen hat Jonatan Schwenk mit „Zoon“ gewonnen.
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