„36 Stunden“
Foto: Heinz Schick

Liebe in Zeiten der Not

30. April 2015

„36 Stunden“ im Horizont Theater – Theater am Rhein 05/15

Die Roaring Twenties. Für viele verbunden mit Bildern der Dekadenz: Bubikopf, Charleston, Wohlstand. Ödön von Horváth zeichnet in seinem Roman „36 Stunden“ ein anderes Bild dieser Zeit. Agnes Pollinger (Eva Marianne Kraiss) hat keine Arbeit, lebt am unteren Rand der Gesellschaft. Ebenso wie der Frauenheld Eugen Reithofer (Eric Carter). Beide begegnen sich in der Schlange vor dem Arbeitsamt und verlieben sich ineinander. Doch zuerst muss sich Fräulein Pollinger mit verschiedenen scheinbar Erfolgreichen der Gesellschaft abgeben, bevor sie bemerkt, dass Eugen wohl doch der Richtige für sie ist. Die Bearbeitung des Romans durch Regisseurin Anja Schöne spielt auf verschiedenen Ebenen. Zu Beginn stellen sich die Schauspieler unter ihrem Namen vor und präsentieren sich als Erzähler der Geschichte. Während des Abends wird diese Metaebene immer wieder aufgerufen. Daneben gehen die Akteure aus den gespielten Szenen heraus und kommentieren monologisch die Gedanken ihrer Figur. So etwa, wenn Reithofer und Pollinger unter einem Baum sitzen und flirten. Die Kulissen und Schauplätze symbolisieren auf der sonst leeren Bühne kleine Leuchtschilder, die von den Schauspielern an- und ausgeschaltet werden. Rhythmisiert wird der Abend durch revueartige Einlagen, in denen Kraiss und Carter Schlager der 20er singen und tanzen.

Kraiss legt Agnes Pollinger als eine freche, durchaus abgebrühte Frau mit kindlichem Trotz an. Reithofer erhält von Carter einen stark naiven Zug. Der Schönling und Frauenheld kommt eher spitzbübisch als souverän herüber. Carter wechselt an dem Abend mehrfach die Rolle, schlüpft z.B. in die Haut eines Malers oder eines Playboys mit Auto. Er gibt jeder Figur eine eigene Note, auch wenn er dabei die Grenze zum Klischee teilweise überschreitet. Schöne hat einen unterhaltsamen Abend geschaffen. Die Überdrehtheit und das Bemühen, so gut wie jede Situation mit Pointen auszustatten, geht allerdings auf Kosten der Figurengestaltung. Sie wirken zu karikaturhaft. Das verschenkt neben der Ebene der Komödie die Chance, eine berührende Liebesgeschichte zu erzählen.

„36 Stunden“ | R: Anja Schöne | Horizont Theater | So 3.5., So 10.5. 19 Uhr | 0221 13 16 04

CHRISTOPH OHREM

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