Donnerstag, 31. Januar: Zwei Stunden vor der offiziellen NRW-Premiere im Odeon-Kino zeigte bereits die Filmpalette David Sievekings („David Wants to Fly“) neuen Dokumentarfilm „Vergiss mein nicht“ als Auftaktfilm des Dokumentarfilmfestivals „Stranger than Fiction“. Der Regisseur selbst konnte zu beiden Anlässen nicht persönlich anwesend sein, weil er am gleichen Abend in Hamburg für Reinhold Beckmanns Fernsehtalkshow Rede und Antwort stehen musste. In Köln waren stattdessen die beiden Produzenten des Films, Carl-Ludwig Rettinger und Martin Heisler, anwesend und beantworteten geduldig die zahlreichen Fragen des Publikums. Nach der Projektion wurden die beiden zusätzlich durch Malte Sieveking unterstützt, den Vater des Regisseurs und somit einer der Protagonisten des Films, der sich mit der Alzheimererkrankung von Davids Mutter „Gretel“ beschäftigt. Bevor die Filmpalette-Zuschauer live in die Diskussion mit den anwesenden Beteiligten am Film einsteigen konnten, sprach David Sieveking noch kurz in einer Videobotschaft zu seinem Publikum. Darin machte er deutlich, dass es für ihn seinerzeit eine pragmatische Entscheidung gewesen wäre, diesen Film zu drehen, weil er dadurch endlich wieder mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und seinen Vater bei der Krankenpflege entlasten konnte.

Auch Rettinger und Heisler stellten im Anschluss direkt klar, dass sich alle nur unter der Bedingung auf das Projekt eingelassen hätten, dass alle Familienmitglieder und nicht zuletzt die demenzkranke Margarete Sieveking davon profitieren würden. Der Film habe nun in seiner fertigen Form den Segen aller Familienmitglieder, obwohl nicht alle von Anfang an vorbehaltlos dahinter gestanden hätten. Fragen aus dem Publikum, inwieweit die Demenzkranke selbst den Filmvorgang überblicken konnte, wiegelte Rettinger ab. „Was kann man von Menschen überhaupt öffentlich zeigen?“, gab er als Frage zurück in den Zuschauerraum. Seit 20 Jahren müsse er sich als Produzent von Dokumentarfilmen mit diesem Zwiespalt auseinandersetzen. Für ihn dürfen es nicht nur abstrakte politische Dinge sein, die man in einem Dokumentarfilm thematisiert, sondern durchaus auch Privates. Da die Menschen unsicher sind im Umgang mit Alzheimer-Patienten brauche es einen öffentlichen Diskurs über die Thematik, ein Austausch an persönlichen Erfahrungen sei dabei enorm wichtig.

Malte Sieveking erläuterte, dass er von seiner mittlerweile verstorbenen Frau eine unterschriebene Generalvollmacht hatte, und dass sie aus ihrem einstigen politischen Bewusstsein heraus sicherlich mit dem Film einverstanden gewesen wäre. „Wichtig war, behutsam mit der Situation umzugehen und dabei nicht über Leichen zu gehen.“ Applaus gab es ihm Saal nach der Bemerkung eines Zuschauers, dass „Vergiss mein nicht“ für ihn ein Liebesfilm sei, der den vorbildlichen Umgang innerhalb der Familie und die Liebe eines jeden Einzelnen zur Patientin offensichtlich machen würde. Die konkreten Dreharbeiten erstreckten sich über einen Zeitraum von rund drei Jahren, wobei auch einige ältere Archivaufnahmen aus der Zeit Verwendung fanden, als Gretel Sieveking noch nicht unter der Krankheit litt. Als sich ihre körperliche Verfassung nach dem eigentlichen Drehschluss rapide verschlechterte, entschied man sich, auch aus dieser Phase noch Material in den Film einzubauen und auch ihren Tod im Film noch zu thematisieren. Malte Sieveking lobte zum Schluss die grandiose Arbeit von Editorin Catrin Vogt, die rund 200 Stunden Rohmaterial im Schnitt verdichtete und dem Ganzen einen Rhythmus und eine Geschichte gab.
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