Ein Theaterstück ab 18? Das Ganze ist keine PR-Maßnahme, sondern eine Notwenigkeit. Mit Pornofilmchen soll an diesem Abend Romeo und mit ihm das Ideal von Liebe von der Bühne gejagt werden. In „Exit Romeo“, ihrer ersten Regiearbeit, fragt sich Jungregisseurin Silvia Werner: Wann ist ein Mann ein Mann? Zusammen mit dem studiobuehne.ensemble begibt sie sich in die Männerwelt des 21. Jahrhunderts und landet im virtuellen Netz abseitiger Internetportale. Doch der ganz große Wurf zu heutigen Gender- und Beziehungsfragen wird daraus nicht, der Abend verliert sich im exzessiven Ausgeschlachteten von Klischees ohne ein wahrhaftiges Gegengewicht.
Da sind sie, die drei Prototypen moderner Männlichkeit. In schnittigen Anzügen treten Jörn Behr, Franz Gottschalch und Jan-Erik Michelsen hinter jeder Menge seidenweißer Vorhänge hervor. Doch was sich da unterm kultivierten Zivilisationsmäntelchen verbirgt, sind wenig blütenreine Fantasien. Die drei wechseln ständig die Rollen, sind mal Mann, manchmal Frau, mal Homo, mal Hetero. Hier und da schälen sich Geschichten heraus. Einer wird Vater und droht in die Spießigkeit abzurutschen. Seine Frau will nur Blümchensex, aber er braucht es richtig schmutzig. Die Befriedigung ist nur einen Klick entfernt. Über die Vorhänge laufen Pornofilme, die von Trickfilm-Romanzen nach Disney konterkariert werden. Aber ist die Sehnsucht nach wahrer Liebe auf der einen Seite und die Lust auf Sex auf der anderen wirklich so neu oder auch nur rein männlich? Werners Recherchen im Freundeskreis haben vor allem eines ergeben: Neue Rollenklischees sind doch ziemlich alt. Das Verhältnis von Medien und Sexualität wird nur angekratzt und endet – fernab von Gender- oder Medienstudies – in der wenig erhellenden Erkenntnis, dass Anonymität keine echte Nähe zulässt.
Männer wollen Sex, Frauen Babys. Werner lässt ihre Darsteller strippen, rammeln, aber auch mal weinen. Es ist eine schöne Idee, ein Stück über Geschlechterrollen in Klischees aufzulösen. Nicht zuletzt durch unpräzises Schauspiel gerät das am Ende aber recht eindimensional. „Es geht hier nicht um Nietzsche oder Hegel, sondern ums Ficken.“ Penisse im Puff oder auf gayromeo.com, ja. Aber was ist mit dem Hirn, das ja auch noch mit dran hängt? So einfach gestrickt sind Männer dann doch nicht.
„Exit Romeo“ | R: Silvia Werner | 30.5.-3.6. 20 Uhr | Studiobühne | 0221 470 45 13
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