Das Menschenrechtsfestival auf dem Gelände des Quäker Nachbarschaftsheims am Sonntagmittag kommt zunächst stockend in die Gänge: Letzte organisatorische Kleinigkeiten müssen geregelt werden und das Wetter will anfangs nicht so recht mitspielen. Das Festival wurde 2013 vom kürzlich verstorbenen Mitarbeiter des Kölner Allerweltshauses, das auch Trägerverein der Veranstaltung ist, und Leiter des Projektes „Erinnern und Handeln für die Menschenrechte“ Adnan Keskin ins Leben gerufen. Ihm gedenken zwei der insgesamt 15 ehrenamtlichen Mitorganisatoren und Mitarbeiter des Projektes Elisabeth Pütz und Johannes Schweitzer vom Informationsbüro Nicaragua während ihrer Einführungsrede auf der Festivalbühne, auf der später Bands wie Hop Stop Banda, Waduh! und Mr. Shirazy & The Exile Orchestra auftreten werden.
Einen Schwerpunkt des Festivals bilden die beiden Workshops. Alexis Passadakis leitet die Sitzung über das transatlantische Handelsabkommen zwischen Europa und USA (TTIP). Der 37-jährige Aktivist ist als Ratsmitglied von Attac tätig. Die weltweit agierende NGO setzt sich mit der Globalisierung und deren Folgen für Mensch und Natur kritisch auseinander. Mit ruhiger Hand, sachlich und leisem Humor führt er diesen Workshop, der sich aus 16 Teilnehmern unterschiedlichen Alters zusammensetzt.
Die Fragen, die mit TTIP verbunden sind, sind vielfältig: Werden künftig gesellschaftliche Interessen Konzerninteressen untergeordnet? Was kann konkret getan werden, wenn die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen stattfinden und welche Wachstumsalternativen gibt es? Ein Teilnehmer ist von den positiven Effekten des Handelsabkommens überzeugt und sieht eine Chance, demokratische Standards neu zu diskutieren.
Passadakis nimmt sowohl die Sorgen der TTIP-Gegner, als auch die Meinungen von Befürwortern auf. Er sieht das wirtschaftliche Wachstumsversprechen jedoch als „esoterisch“ an. Er referiert z.B. über Handelshemmnisse, die abgesenkt und Spielräume für Konzerne, die größer werden sollen. Zudem geht es um europäische Banken, die die in den Jahren nach der Wirtschaftskrise erst geschaffenen Regulierungen amerikanischer Banken „schreddern“ wollen.

Panikmache liegt Passadakis aber fern, der Diskurs ist sein Ziel. Er will Vorschläge diskutieren, wie man diesen dubiosen Verhandlungen entgegenwirken könnte. Hier gerät die Diskussion ins Stocken. Eine Teilnehmerin schlägt verhalten einen „Flashmob“ vor, ohne dabei konkreter werden zu können. Passadakis selbst sieht eine Chance darin, durch Demonstrationen und Aktionstage lokalpolitisch Druck auf die Regierung auszuüben. Er überzeugt an diesem Tag noch nicht alle Teilnehmer, entfesselt aber einen lebendigen Dialog.
Die freiberufliche Erziehungswissenschaftlerin Alina Symanzik und Johannes Schweitzer wählen für den zweiten Workshop über die Menschenrechtsverletzungen während der WM ein Rollenspiel: Jeder der Teilnehmer darf ein Los ziehen. Die Gruppe teilt sich in Polizisten und Favela-Bewohner auf, die es aus den brasilianischen Ghettos zu vertreiben gilt. Schweitzer selbst spielt den Bürgermeister und das Festival-Gelände steht als Spielwiese zur Verfügung.
Anfangs ist die Teilnahmebereitschaft noch zurückhaltend. Zwei der Teilnehmerinnen lehnen schüchtern ab und suchen das Weite. Auch Symanzik wechselt aufgeregt von einem Standort zum nächsten und bei der „Polizei“ geht nur die Mailbox ans Telefon. Normalerweise richtet sie dieses Spiel für Jugendliche aus, aber nach einer Weile gehen auch die Erwachsenen in ihren Rollen auf: Die Demonstration der Favela-Bewohner vor dem Haupteingang des Nachbarschaftsheims ist ein voller Erfolg und sogar vorbeigehende Festival-Besucher machen mit. Symanzik und Schweitzer sind von ihrer Herangehensweise überzeugt. Das Rollenspiel soll vor allem Kinder und Jugendliche auf politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme aufmerksam machen, die eine Veranstaltung wie die WM mit sich bringt. Einem euphorischen Fußball-Fan so eine neue Sichtweise zu eröffnen, wird aber schwierig sein.
Das Festival läuft inzwischen auf Hochtouren. An den Informationsständen von Amnesty International, agisra e.V., attac und der Informationsstelle Lateinamerika finden sich zahlreiche Interessierte ein. Bisher steckt das Festival noch in den Kinderschuhen und welche Erfolge es nach sich ziehen wird, bleibt abzuwarten. Die Leidenschaft von Menschen, die ohne Vorbehalte aufeinander zugehen und Probleme dieser Welt diskutieren, ist jedoch jetzt schon spürbar.
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