Was, wenn der Traum von Unsterblichkeit bedeutet, dass der Mensch sich zukünftig von seinem physischen Körper verabschiedet und seine Existenz vollständig in ein Metaversum transzendiert? Oft Stoff dystopischer Fantasien, findet sich eine ähnliche Vorstellung positiv besetzt bereits in Georg Büchners „Leonce und Lena“ aus dem Jahr 1836. Im Schauspiel Köln feierte nun mit „Meta-Sleep“ eine schlafwandlerische Beschäftigung mit künstlichen Intelligenzen nach Büchners Motiven Premiere.
Zu Beginn hängt Lena regungslos mit offenen Augen von der Decke. Ansonsten sind im Raum mehrere unterschiedlich große weiße Podeste verteilt, zentral in der Mitte ein großer mit transparenter Gaze bespannter Würfel, auf dessen Boden eine Handbreit Wasser steht. Leonces sehnlicher Wunsch, sich von seinem eigenen Körper zu lösen: „O who could see himself on his head for once!“ (im Original: „O wer sich einmal auf den Kopf sehen könnte!“) steht in LED-Buchstaben über dem Zuschauer:innenraum als leuchtendes Motto geschrieben. Das Publikum ist aufgefordert, sich frei zu bewegen.
Mit „Meta-Sleep“ erwartet das Publikum eine Abfolge von bildhaften Szenen, angelehnt an Büchners Textvorlage: Schlaf, Traum, Tod, Wandlung, Wiedergeburt als künstliche Intelligenz. Leonce und Lena (Justus Maier, Martina Kizyma) sowie ihre schlafenden Alter Egos, welche ebenfalls durch die Installation wandeln und szenisch interagieren, durchlaufen die Transformation. Innerhalb des Raums verschiebt sich der Fokus immer wieder auf Aktionen der Figuren, die meist gestisch sind: Sie finden sich, vereinigen sich, verwandeln sich. Die schlafenden Alter Egos sind Statist:innen, die Silikonmasken der beiden Schauspieler:innen mit geschlossenen Augen tragen. Auch die Musiker:innen sind im Raum, beobachten und werden Teil des Geschehens.
Immer wieder erklingen geloopte Textpassagen. Hinzu kommen durch KI generierte Videosequenzen, die sich mit wummernden elektronischen sowie von den vier Musiker:innen erzeugten Sounds zu einem komplexen Gesamtereignis mischen. Regisseur Borgmann macht die Utopie von der Wiedergeburt 2.0 durch den vielschichtigen Einsatz von Mitteln sinnlich erlebbar. Jedoch ist der Abend auf inhaltlicher Ebene durch seine abstrakten Bilder keine einfach zu greifende Arbeit, sondern eher ein begehbares Kunstwerk mit viel Raum für eigene Assoziationen. Die Lektüre des digitalen Programmhefts im Vorfeld sei daher zum besseren Verständnis klar empfohlen.
Meta-Sleep | R: Robert Borgmann | 5., 28 4. | Schauspiel Köln, Depot 2 | www.schauspiel.koeln
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