Wollen kontroverses Kino: die "mindjazz"-Macher
Foto: Hartmut Ernst

mindjazz pictures

10. Juni 2010

Holger Recktenwald und Manuel Stremmel über ihren Filmverleih – Kino.Köln 06/10

Vor zwei Jahren beschlossen Holger Recktenwald, Prokurist bei Rapid Eye Movies, und Manuel Stremmel, Label-Manager bei der Alive-AG, aufgrund ihrer gemeinsamen Leidenschaft für den Dokumentarfilm einen Filmverleih zu gründen. mindjazz pictures brachte bisher vier Filme in die Kinos, darunter „Zwischen Himmel und Erde – Anthroposophie heute“ und „Der Weg nach Mekka“.

Was reizt euch daran, Dokumentarfilme ins Kino zu bringen?
Manuel Stremmel
Uns geht es darum, Leute zusammenzubringen, die sonst nicht zusammen kommen. Bei „Der Weg nach Mekka“ saßen Leute, die sich mit dem Thema Islam auseinander setzen wollten, und auf der anderen Seite junge Muslime in Deutschland, die für sich ein Vorbild oder eine Richtung suchen – also wo zwei Gruppen aufeinander prallen, die sich sonst aus der Distanz beäugen. Ähnlich war es auch mit „Zwischen Himmel und Erde“, mit Anthroposophen und ehemaligen Waldorfschülern, die das alles etwas kritischer sehen.
Holger Recktenwald
Wir suchen schon den Konflikt im Sinne des Zusammenprallens unterschiedlicher Zugänge zu einem Thema, aus denen dann idealerweise Diskussionen entstehen. Als einen elementaren Bestandteil unserer Form der Kinoauswertung organisieren wir zusätzlich Filmvorführungen mit Filmgesprächen. Da sind wir glaube ich inzwischen in einer Phase, wo wir schon recht gute Erfahrung gemacht haben. Aber wir sehen auch, dass das noch verbesserungswürdig ist.

Was heißt das?
Holger Recktenwald
Es zu schaffen, dass es innerhalb des Filmgesprächs auch zu kontroversen Diskussionen kommt, sofern der Film das hergibt. Häufig gibt es eine Tendenz, wonach die Mehrheitsmeinung obsiegt und die anderen Leute sich nicht einmischen.

Sich nicht trauen…
Holger Recktenwald
Sich nicht trauen. Dass man da mitunter vielleicht so ein Gefühl hat, dass das doch keinen Platz hat, weil Zuschauer mit gegenteiliger Meinung die Harmonie nicht stören wollen. Und das ist natürlich das, was ein Gespräch dann in eine falsche Richtung lenkt – in einem Gespräch sollte immer die Möglichkeit bestehen, auch nicht-harmonische Dinge einzubringen.

Wie kamt ihr auf den mindjazz? Da assoziiert man Improvisation und gegenseitige Inspiration.
Manuel Stremmel
Improvisiert passt schon ganz gut. Darum geht es ja bei mindjazz: um Zwiegespräch, sich in Diskussionen auf Standpunkte anderer einzulassen und den Standpunkt des anderen zu akzeptieren. Das war so der Hintergedanke bei der Namenssuche.
Holger Recktenwald
Und für uns sicherlich auch dieses Moment, dass wir uns mit Dingen auseinandersetzen möchten, zu denen wir persönlich vielleicht keinen unmittelbaren Zugang haben. Und das heißt auch, bei uns sollte dieses mindjazz-Prinzip erst einmal funktionieren. Dass wir uns einlassen, bevor wir dann die Zuschauer quälen. (lacht)

Interview: Hartmut Ernst

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