In Krisen- und Umbruchzeiten, noch dazu in Köln mit seinen vielen Baustellen kultureller Institutionen, zeigt sich erst recht, wie lehrreich und entspannend Museen sein können. Was sind überhaupt Museen, wann sind sie entstanden und was ist in ihnen zu sehen? Das und die Geschichte der Präsentation von Kunst ist das Thema von „Museum der Museen“, der aktuellen Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum. Sie hinterfragt die Institution Museum und zeigt, wie sich ihr Selbstverständnis über die Jahrhunderte geändert hat und die Bevölkerung zum wirklichen Adressaten wurde.
Den Ausgangspunkt bilden die Wunder- und Kunstkammern des 16./17. Jahrhunderts, als weite Reisen zunehmend möglich wurden. Die Zeugnisse des Fernen und Exotischen wurden als Mitbringsel zu den Herrschern, Kirchenfürsten und den Naturwissenschaftlern gebracht. In der Wunderkammer befanden sich die angeeigneten Objekte mit den Kuriositäten und präparierten fremden Tieren als Welterklärungsmodelle in Regalen: Ein moderater Entwurf davon leitet die großartig inszenierte Ausstellung ein. Daneben steht die reine Kunstsammlung, die wandfüllend gehängt ist und ebenso vom Bürgertum angelegt wurde.
Carl Spitzweg, Gähnender Mönch/Gähnender Eremit, um 1850, Öl auf Leinwand, 54,5 x 32,5 cm, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln (zeitweilig ausgestellt im „Rolywholyover. A Circus“ von John Cage)Einer der Sammler war Ferdinand Franz Wallraf, der als Professor an der Universität Köln lehrte und deren Rektor war. Ursprünglich als Lehrsammlung mit Mineralien und Fossilien begonnen, erweiterte er seine Sammlung zunehmend um Kunst. Ab 1827 wurde seine enzyklopädische Sammlung im Wallrafianum im damaligen „Kölner Hof“ ausgestellt. Sein 200. Todesjahr wird jetzt in der Ausstellung mit einem eigenen Saal gewürdigt. Nun sind auch seine Grafiken mit exotischen Tieren zu sehen und bringen, arrangiert von Monika Bartholomé, einen heiteren Ton in die Ausstellung. Und dann folgen, in der Rekonstruktion einer Präsentation im Museum im frühen 20. Jahrhundert, die Meisterwerke der Malerei.
Klugerweise endet die Ausstellung mit radikalen Entwürfen für das Museum im 20. Jahrhundert. Eine Herausforderung ist die digitale Zukunft, in der inmitten all der digitalen Aufarbeitung im Internet einerseits und der immersiven Entwürfe andererseits die Meisterwerke mit ihrer Aura verloren gehen könnten. Die Beispiele des 20. Jahrhunderts hingegen forderten einen unkonventionellen Zugriff auf diese, jenseits aller Bildungskonventionen. In „Rolywholyover“ von John Cage sind zufällig ausgewählte Kunstwerke verschiedener Museen zusammen ausgestellt, wobei sogar die Präsentation ausgelost ist. Und Daniel Spoerris „Musée sentimental de Cologne“ zeigt in alphabetischer Reihenfolge Gegenstände des Alltäglichen und Besonderen, welche die Stadt und ihre Geschichte begreifbar machen. So unspektakulär dieser Saal ist, so wichtig ist er plötzlich, weil Spoerri, der als Professor an den Werkkunstschulen in Köln gelehrt und die Eat Art in Düsseldorf etabliert hat, Anfang November verstorben ist. Begonnen hat die Ausstellung als Feier für ihren Namensgeber, nun wird sie zu einer Erinnerung an den großartigen Künstler und Weltbürger, der den Alltag in die Kunst und die Kunst in den Alltag bringen wollte. Die Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum zeigt, wie’s geht.
Museum der Museen | bis 9.2. | Wallraf-Richartz-Museum | 0221 211 19
biograph |
choices |
engels und
trailer
- die online Kinoprogramme für
Bochum,
Bonn,
Castrop-Rauxel,
Dortmund,
Düsseldorf,
Duisburg,
Essen,
Frechen,
Gelsenkirchen,
Hagen,
Herne,
Hürth,
Köln,
Leverkusen,
Lünen,
Mülheim,
Neuss,
Oberhausen,
Recklinghausen,
Solingen und
Wuppertal