Konstantin Faigle und seine drei Produzenten

Nachdenken über die Arbeit

29. Mai 2013

„Frohes Schaffen“ im Odeon – Foyer 06/13

Mittwoch, 1. Mai: Der Tag für die Premiere von Konstantin Faigles („Die große Depression“) neuem Film „Frohes Schaffen – Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“ war gut gewählt: Am 1. Mai, direkt im Anschluss an die traditionelle Mai-Demonstration, feierte der dritte Kinofilm des Regisseurs seine Premiere im Kölner Odeon-Kino. Im Film, der u.a. vom Odeon-Theaterleiter Martin Roelly produziert wurde, geht es nämlich um die Bedeutung der Arbeit und warum die heutige Industriegesellschaft zwischen Burn Out und Hartz IV pendelt. Konstantin Faigle hat darin eine ganze Reihe Experten aus der ganzen Welt zu Wort kommen lassen, die typischen „Talking Heads“-Aufnahmen eines Dokumentarfilms aber immer wieder durch Spielszenen unterbrochen, in denen Archetypen der Arbeitswelt charakterisiert werden und zur Belustigung des Publikums auch aufeinander treffen.

Die „Frohes Schaffen“-Band bei einer Musikeinlage

Bevor sich der Filmemacher Faigle nach der Projektion seines Films auf der Bühne des Odeon-Kinos den Fragen von Moderator Piet Fuchs stellte, lieferte er zur Einstimmung mit seiner „Frohes Schaffen“-Band eine kleine Musikeinlage: „Wir sind die Faulpelze der Welt“ intonierten die drei Musiker auf der Kinobühne. Etwas enttäuscht zeigte sich Faigle dann hinsichtlich des über Facebook initiierten Flashmobs während der Kölner Mai-Demo, zu der nur sehr wenige Mitstreiter erschienen waren. Umso voller war dafür der Odeon-Kinosaal bei der abendlichen Premiere. Faigle versicherte, dass er keinesfalls ausschließlich das Nichtstun preise, sondern vielmehr ein „Fleißigsein für Dinge, die man als sinnvoll erachtet“ propagiere. Viele Angestellte hätten längst den Bezug zu dem, was sie tagtäglich in ihrem Beruf erledigen, verloren. Faigle selbst beschäftige sich mittlerweile seit rund 40 Jahren mit dem Thema Arbeit. Die eigentliche Inspiration für seinen Film hätte er nach seinem „Menschen hautnah“-Beitrag „Glückliche Nichtstuer“ aus dem Jahr 2007 bekommen.

Piet Fuchs befragt Regisseur Konstantin Faigle

Die breit gefächerten Zuschauerreaktionen lieferten ihm damals die Erkenntnis, dass Arbeit für viele eine Art Religion sei. Bei seinen weltweiten Recherchen zum Thema stieß er alsbald auf etliche Theoretiker wie den US-amerikanischen Professor Benjamin Hunnicutt, den er als Interviewpartner für seinen Film gewinnen konnte. Angesprochen auf die Mischform seines Films erläuterte Faigle: „Der Rhythmus und die endgültige Form hat sich erst im Schnittraum ergeben. Die Inszenierung der Spielszenen konnte dabei für Entspannung sorgen zu all den starren Interviewszenen des Films.“ Einige etwas surrealere Szenen von „Frohes Schaffen“, in denen auch der Moderator des Abends, Piet Fuchs, Auftritte hatte, sind schließlich dem Endschnitt zum Opfer gefallen. Zum Abschluss des Publikumsgesprächs unterstrich der Filmemacher noch einmal die Kernaussage seines Films: „Arbeit ist nicht per se richtig und wichtig, und Muße ist nicht per se abzulehnen.“ Durch Muße könne es einem gelingen, wieder auf den richtigen Weg zu finden. „Frohes Schaffen“ sei deswegen dazu geeignet, von jedem Zuschauer individuell interpretiert zu werden und anzuregen, sich über die eigene Arbeit, deren Bedeutung und Relevanz im eigenen Leben einmal seine Gedanken zu machen.

Text/Fotos: Frank Brenner

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