Montag, 14. Mai: Eigentlich sollte der Fokus bei Katja Fedulovas Erstlingswerk auf den ganz unterschiedlich verlaufenden Karrieren der russischen Freundinnen im westlichen Ausland liegen. Doch während der mehrmonatigen Dreharbeiten kristallisierte sich immer mehr heraus, dass die jeweiligen Mutter-Tochter-Beziehungen innerhalb der Freundesclique einen viel markanteren roten Faden bilden würden. Beim anschließenden Publikumsgespräch im Kölner Filmhaus erläuterte Fedulova die Gründe, warum die jungen Frauen zu Beginn der 90er Jahre den Neuanfang im Westen wagten: „Bei den meisten von uns haben unsere Mütter dabei eine wichtige Rolle gespielt. Sie haben uns mit der Finanzierung unserer Ausreise in Sicherheit gebracht.“
Denn das Russland nach der Perestroika war von Unsicherheit und Gewalt bestimmt. Fedulova selbst entging auf einem öffentlichen Platz in St. Petersburg nur knapp einem Kidnapping, bei ihrer Freundin hatten die Entführer mehr Erfolg – die Verschleppte ist nie wieder aufgetaucht. Auch Fedulovas ältere Schwester Olga musste körperliche Gewalt am eigenen Leib erfahren, als sie während eines Urlaubs bei ihrer Tante auf dem Land von einer Gruppe junger Männer vergewaltigt wurde. Mit ihrer Mutter konnte Olga über diesen Vorfall bis heute nicht sprechen, obwohl er mittlerweile über 20 Jahre zurückliegt.
Dieser Missstand in der Mutter-Tochter-Beziehung kommt in „Glücksritterinnen“ ebenfalls zur Sprache. Katja Fedulova stellte ihre nach dem frühen Alkoholtod des Vaters alleinerziehende Mutter vor der Kamera dazu zur Rede. Im Filmhaus erläuterte sie dieses zunächst nicht nachvollziehbar wirkende Verhalten der Mutter näher. Ihre Elterngeneration sei ihrerseits schon im Kindesalter traumatisiert aufgewachsen und habe das an die eigenen Kinder weitergegeben. So erklärt sich die Distanz zwischen den Generationen, die unzureichende Liebe gepaart mit einer gleichermaßen hohen Erwartungshaltung an die berufliche Entwicklung der Töchter.
Ähnlich wie bei Fedulova ging es auch innerhalb der Familien ihrer Freundinnen zu. Viele der Väter hatten als Ingenieure gearbeitet und zählten nach der Perestroika zu den Ersten, die ihre Arbeitsplätze verloren. Sie flüchteten sich in den Alkohol und starben jung, einige durch Selbstmord. Die Mütter allerdings, die dann beide Elternrollen einnehmen und gleichzeitig für den Lebensunterhalt sorgen mussten, waren mit der Situation überfordert und sahen für ihre Töchter einzig im Westen eine erstrebenswerte Zukunft. Auch wenn Fedulova heute gut mit der Entscheidung leben kann, erzählte sie beim Publikumsgespräch: „Was Demokratie ist, wussten wir damals nicht. Die Fahrt in den Westen war für uns ein Sprung ins kalte Wasser.“
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