Wie beginnt ein Brief an den eigenen Vater: „Lieber Papa“ oder „lieber Vater“ oder „lieber Michael“? Jonas Baeck dekliniert alle Intros bis zur Unentschiedenheit durch – oder bis sein Bruder Paul Baeck ihn wegen Unfähigkeit zusammenbrüllt. Eigentlich geht es im Rechercheprojekt „Raub - nach F.Schiller“ der 2018 gegründeten Gruppe Spiegelberg um das neuralgische Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Doch da Schillers Erstling „Die Räuber“ den Parcours vorgibt, verbindet sich der hierarchische Konflikt mit dem Bruderzwist im Hause Moor beziehungsweise Baeck.
Gefangen in der Warteschleife liefert Paul in roten Jeans und Hermès-Blouson Zitate ab, bis endlich sein Bruder Jonas im blau karierten Anzug und mit Turtle-Bag gut gelaunt kommt und verkündet, er habe den gemeinsamen Text umgeschrieben. Stress pur. So entbrennt zwischen beiden immer wieder Streit: Man kritisiert sich gegenseitig für schlechtes Spiel, für falsche Dramaturgie, für inhaltlichen Dünnschiss – eine Bruderkonkurrenz, die in Anlehnung an Schillers Bruderpaar Franz und Karl Moor in einer empathischen Konkurrenz um den Vater wurzelt. In einem Ausstellungsraum mit diversen weißen Sockeln, auf denen Diaprojektoren, Plüschhasen, Handspiegel, Rucksäcke u.a. liegen, wird das prekäre emotionale Verhältnis sowohl als duales wie als trianguläres durchdekliniert.
Es gibt Familienbilder zu sehen, positive und distanzierte Beziehungsmodell werden durchbuchstabiert, Schiller bekommt zudem Besuch von Kafka oder Michael Ende – doch das meiste geht kaum über bereits Bekanntes hinaus und berührt selten die harten emotionalen Bruchstellen. So gewinnt der Streit der Brüder weit mehr – komische – Prägnanz als das Verhältnis zum Vater.
„Raub – nach F. Schiller“ | R: Spiegelberg | 25. - 28.9. je 20 Uhr | Orangerie-Theater | 0221 32 78 17
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