Montag, 5. Mai: Der chinesische Künstler Ai Weiwei ist seit einigen Jahren über die Grenzen elitärer Kunstzirkel hinaus bekannt geworden. Die unverblümte Art, mit der er die Regierung in seinem Heimatland kritisiert, hat Ai weltweit zu einem prominenten Aktivisten werden lassen, der im Gegenzug in China Willkür und Ungerechtigkeiten erfahren musste. Der Däne Andreas Johnsen ist einer der wenigen Filmemacher, die das Vertrauen Ais genießen, und dem es möglich war, das Leben des Künstlers nach seiner fast dreimonatigen Isolationshaft aus nächster Nähe zu begleiten und dadurch den Charakter und die Überzeugungen Ai Weiweis unverfälscht sichtbar zu machen. Für die NRW-Premiere seines Films „Ai Weiwei – The Fake Case“ war Johnsen persönlich nach Köln gereist, wo er nach der Vorführung im Filmforum geduldig die zahlreichen Fragen des Publikums beantwortete.

Dabei offenbarte er, dass er durch einen Kollegen im Jahr 2009 zum ersten Mal Telefonkontakt mit Ai Weiwei aufgenommen habe. Dieser reagierte zunächst abweisend auf Johnsens Projekt eines Dokumentarfilms über seine Person. Er sei zu beschäftigt und würde zu viele solcher Angebote erhalten. Nachdem Ai allerdings Johnsens Film „Murder“ über das Recht auf Abtreibung für die Frauen in Nicaragua gesehen hatte, erklärte er sich doch einverstanden. 2010 begann der Filmemacher dann mit seinem Projekt, das allerdings unterbrochen werden musste, als die chinesische Regierung Ai Weiwei 2011 kidnappte und für mehr als achtzig Tage in strenger Isolationshaft behielt. Johnsen war der einzige Filmemacher, der Ai nach seiner Haftentlassung nahe kommen durfte und entschied sich schnell dazu, dass es in seinem Film nur über die Monate nach der Entlassung bis hin zur Aufhebung der Bewährung gehen sollte. Zig Stunden von bereits gefilmtem Material waren damit hinfällig geworden, aber die Monate nach der Haft, die durch eine ständige Überwachung durch chinesische Regierungsagenten geprägt waren, erwiesen sich im Nachhinein als perfekter Aufhänger für einen eindringlichen Film. Johnsen sagt über Ai Weiwei: „Seine Kunst ist, zumindest heutzutage, sehr politisch geworden. Weiwei ist eine faszinierende Person und ich wollte einen Film über seine Persönlichkeit drehen.“ Die zahlreichen Auflagen, die der Künstler in seiner Bewährungszeit zu erfüllen hatte, umschlossen auch das Verbot, Interviews mit ausländischen Reportern zu geben. Auch Johnsen hatte keine offizielle Filmgenehmigung, weswegen Ai ihn so gut es ging schützte. „Ich wurde von denen aber zu keinem Zeitpunkt direkt bedroht“, erläuterte der Regisseur auf Nachfrage durch die Zuschauer.

Abenteuerlich waren die Dreharbeiten gleichwohl, und Johnsen hatte bei seinen Ein- und Ausreisen aus China niemals Filmmaterial bei sich. Er fand andere Wege, das Gefilmte außer Landes zu schmuggeln, wollte beim Filmgespräch allerdings nicht näher auf die Umstände eingehen. „Aber übers Internet habe ich die Daten nicht rausgeschmuggelt, das ist in China nämlich viel zu langsam“, verriet der Regisseur süffisant. Von einer ersten Idee, den Film als schwarzweißen Stummfilm anzulegen, um zu verdeutlichen, dass Ai zum Schweigen verurteilt ist, wich Andreas Johnsen dann aber doch wieder ab, weil er sich zu sehr in einige der Aussagen des Künstlers vor der Kamera verliebt hatte. Mit dem Endprodukt sei Ai Weiwei auch sehr zufrieden. Über die E-Mail-Accounts von Freunden stehen er und Johnsen nach wie vor in Kontakt, weswegen der Regisseur dem Kölner Publikum die herzlichsten Grüße von Ai Weiwei bestellen konnte, der über die Premierenveranstaltung auch in seinem chinesischen Heim unterrichtet war.
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