Foto: Anna Rehkaemper Photography

Phänomen der Berührung

18. August 2022

Freiraum Ensemble: „Sinneswüsten“ – Prolog 08/22

Die Distanz der Corona-Jahre hat in der Gesellschaft ihre Spuren hinterlassen: Berührungen sind nicht mehr selbstverständlich. Mit diesem Phänomen hat sich das Kölner Freiraum Ensemble um den Tänzer Arthur Schopa auseinandergesetzt und zusammen mit Choreographin Irina Pauls eine Antwort formuliert, die es unter dem Titel „Sinneswüsten“ am 25. August in der Stephanus-Kirche erstmals präsentieren wird. Die Produktion baut auf der arte-Dokumentation „Haut an Haut“ auf, die im Februar 2021 ausgestrahlt wurde und in der das Phänomen der Berührung aus der Perspektive der Kunstgeschichte und verschiedener Wissenschaften beleuchtet wird. Schon damals war das Freiraum Ensemble in Kooperation mit Irina Pauls involviert und hat seinen Ansatz inzwischen weiter ausgearbeitet. Die Tänzerinnen und Tänzer versuchen nun, die unterschiedlichen Qualitäten dieses zutiefst menschlichen Aktes auszuloten und in Szene zu setzen.

Berührungen sind überlebensnotwendig. Sie sind der erste positive Sinneseindruck, den ein Mensch nach der Geburt wahrnimmt, und mit etwas Glück am Ende des Lebens auch der letzte. „Ein Mensch, der nicht berührt wird, verkümmert, sozial und körperlich“, erklärt das Ensemble. „Eine Berührung kann Geborgenheit geben und Wärme, sie kann Trost spenden oder Schutz, sie kann Brücken bauen und Türen öffnen, sie kann elektrisieren und erregen.“ Doch sie kann auch schmerzen, ekeln, verletzen, unterdrücken und verängstigen. Sie ist Ausdruck von Menschlichkeit oder ein Zeichen ihres Fehlens und ein entscheidender Gradmesser für die Normen und Werte einer Gesellschaft. „Wir stellen die sich direkt zeigende leibliche Begegnung in einen kulturgeschichtlichen Kontext und fächern auf diese Weise auf, wie sich Betrachtungsweisen verändern“, so das Ensemble weiter. Dabei verknüpft es zeitgenössischen Tanz mit den Möglichkeiten des Dokumentarfilms.

Das Freiraum Ensemble produziert seit 2013 Tanzperformances für außergewöhnliche Orte. Unter anderem haben sie im Kölner Freilichtatelier „Odonien“, der alten Samtweberei in Krefeld und der Fabrik Heeder inszeniert. Jetzt arbeitet das Ensemble erstmals mit Choreographin Irina Pauls zusammen, die einem ähnlichen Ansatz folgt und die schon 2012 auf Malta Arthur Schopa kennenlernte. Die Tanzperformance wird in Köln uraufgeführt; im Dezember ist sie dann in Pauls‘ Heimatstadt Leipzig zu sehen.

Sinneswüsten | 25.-27.8. je 19.30 Uhr, 28.8. 16 u.19 Uhr | Stephanuskirche | www.freiraumensemble.de

Thomas Kölsch

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