Was uns der rheinische Winter vorenthalten hat, dafür entschädigt das Schauspiel Köln: Einen Indoor-Steilhang mit schauspielernden Abfahrtsläufern. Bühnen- und Kostümbildner Jana Findeklee und Joki Tewes haben eine Piste mit Gipfelplattform und Skihüttendach entworfen, die auf ihrer Kehrseite eine Pyramide mit Grabkammer zeigt. Jelineks Stück „Schnee Weiß“ nimmt die von Abfahrtsläuferin Nicola Werdenigg vor drei Jahren publik gemachten sexuellen Übergriffe im österreichischen Skisport der 1960/70er Jahre zum Ausgangspunkt für eine Attacke auf Skisport, Natur und Tourismus der Alpenrepublik.
Stefan Bachmann fächert Jelineks Sprachspiel zunächst gekonnt in Après-Ski-Dialoge zwischen vier Sportlern (Lila Klammroth, Sabine Waibel, Simon Kirsch und Nikolay Sidorenko) auf. Sie kopulieren, als ob es um olympische Rekorde ginge. Ein Jesus mit Brüsten hängt plötzlich im Ski-Kreuzbalken und klagt gegenüber den missbrauchten Frauen ältere (Opfer-)Rechte ein. Jelineks Stück nutzt dafür Material aus Oskar Panizzas Religions-Satire „Das Liebeskonzil“ von 1895 und später noch einen Text über „Kopftrophäen“. Bachmann wählt einen „realistischen“ Zugang, zeigt Steilhang, Jesus am Kreuz oder den Kopf von Simon Kirsch, der aus einer Tischplatte lugt. Vor allem diesen zum Monolog ausgedünnten Text lässt Bachmann breit ausspielen. Doch letztlich bleibt diese Uraufführung merkwürdig unpolitisch, vertraut allein auf die Aussagekraft des Textes. Jelineks kalauernder Sprachexpress wird nicht mit mächtigen Bildern gestaut oder auch umgeleitet. Verstörend wirkt hier kaum etwas. Vielleicht ist der Abend mit zwei Stunden Spieldauer letztlich einfach zu kurz.
„Schnee Weiß“ | R: Stefan Bachmann | 3., 20., 21.2. 20 Uhr | Schauspiel Köln |
0221 221 284 00
biograph |
choices |
engels und
trailer
- die online Kinoprogramme für
Bochum,
Bonn,
Castrop-Rauxel,
Dortmund,
Düsseldorf,
Duisburg,
Essen,
Frechen,
Gelsenkirchen,
Hagen,
Herne,
Hürth,
Köln,
Leverkusen,
Lünen,
Mülheim,
Neuss,
Oberhausen,
Recklinghausen,
Solingen und
Wuppertal