Eigentlich verspricht der Titel „Slow“ eine recht entspannte Show im Bonner GOP mit eher ruhigen, poetischen Momenten. Vielleicht etwas in der Art wie auch im Zirkus Roncalli immer wieder zu finden? Doch der Titel der neuen Show, die vom 12. Juli bis 8. September in dem Varieté-Theater läuft, das in Bonn in den letzten drei Jahren zu einer festen Größe geworden ist, ist wesentlich komplexer zu verstehen. Die neue Show soll zur Entschleunigung einladen, dafür braucht es aber auch stellenweise ein gewisses Tempo, damit die Entschleunigung überhaupt spürbar wird. Für letztere ist bei „Slow“ der Schweizer Claude Criblez zuständig, der am Premierenabend das Publikum mit seinem selbst-gebauten Flugzoo verzauberte und stellenweise Tränen lachen ließ. Zeppelinartige Flugobjekte und überdimensionierte Luftballons werden hier zu Fisch und Katze, die dank diverser Motoren und Propeller über den Köpfen des Publikums schweben.
Criblez‘ Flugzoo stellt in „Slow“ immer wieder einen ruhig-amüsanten Einschnitt dar, bei dem auch durchaus das Publikum einbezogen wird. Dies geschieht zwangsläufig, wenn mal ein Flugtier ausbüxt und im Publikum landet. Eine weitere zentrale Figur der Show ist die österreichische Artistin Ingrid Korpitsch, die nicht nur mit ihrer dynamischen Luftring-Nummer überzeugt, sondern am Klavier und mit ihrem Gesang auch musikalische Begleitung bietet.

Ansonsten lässt die Show einen inhaltlichen Rahmen leider ein wenig vermissen: Nicht nur, dass es sich lediglich um die Aneinanderreihung von Varieté-Nummern handelt, die inhaltlich keinen roten Faden aufweisen, auch das Bühnenbild bleibt neutral schwarz. Das Konzept der Gegensätze der Geschwindigkeiten geht nur teils auf, denn vor allem vor der Pause überzeugen die vermeintlich temporeichen Darbietungen nur bedingt. Überzeugend in Dynamik, Kraft und Poesie ist im ersten Teil vor allem Jonas Witt mit seiner Cyr-Nummer. In dieser bleibt der große Reif nicht eine Sekunde still stehen und Witt bewegt sich so organisch fließend mit und im Ring, als wäre er mit diesem verwachsen. Artistik auf höchstem Niveau!
Ein ordentliches Tempo gibt in der zweiten Hälfte der Diabolo-Künstler Chu Chuan-Ho aus Taiwan vor. Technisch perfekt bietet der junge Artist, der auch schon beim Zirkusfestival in Monte Carlo überzeugte, eine Nummer, die ihresgleichen sucht. Auch die Australierin Hazel Bock, die mit ihrer Ring-Jonglage im ersten Teil noch wenig Besonderes bot, brachte das Publikum im zweiten Teil mit ihrer Jonglage mit Händen und Füßen zum Staunen. Eher selten im Varieté zu finden sind professionelle Seilspringer – das Trio Tricked Out rund um Tori Beth Boggs, eine der besten Seilspringerinnen der Welt – lieferte eine überraschende und temporeiche Show. Im zweiten Teil stellten die Zwischenblogs von Claude Criblez und seinem Flugzoo mit Salti und Pirouetten nun eher den gewünschten Kontrast zu den rasanten Akrobaten dar. Romantisch und zugleich kraftvoll ging „Slow“ mit der grandiosen und gefühlvollen Partnerakrobatik von Michael Togni und Yulia Girda zu Ende.
„Slow“ | bis 8.9. | GOP Varieté Theater Bonn | 0228 422 41 41
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