Man kann mit dem Joystick Menschen umbringen oder am Küchentisch Opfer bringen. Beides sind weibliche Schicksale, deren Spaßfaktor offensichtlich begrenzt ist, die aber mehr miteinander zu tun haben, als man denkt. Eine junge Kampfpilotin, die ungewollt schwanger geworden ist, wird versetzt. Raus aus dem Jet, rein ins Büro ihrer Airbase in Las Vegas. Und dort sitzt sie nun, als göttliches Auge der Vernichtung, den Joystick in der Hand, und steuert eine Drohne über Afghanistan. Während in ihr das Leben wächst, nimmt sie es den Terroristen und ihren Familien. Während sie bisher als top gun an fremden Himmeln kreuzte, bringt sie jetzt den Krieg mit nach Hause. Der vermeintlich „chirurgisch“ saubere Krieg in George Brants Monolog „Am Boden“ (Originaltitel: „Grounded“), der in aberwitzigen 12-Stundenschichten vor dem Bildschirm geführt wird, lässt sich aber nicht so einfach in Quarantäne packen. Er frisst sich ungehindert ins Privatleben, kontaminiert trotz seiner scheinbaren Virtualität alle persönlichen Beziehungen. Es geht, so der Autor, um „moralische Verantwortung und widersprüchliche Entscheidungen“ – und natürlich ganz konkret um die aktuelle Politik von Barack Obama, der den Drohnenkrieg erheblich ausgeweitet hat. Am Broadway steht derzeit Anne Hathaway in der Rolle der Pilotin auf der Bühne, in Düsseldorf wird Louisa Stroux unter der Regie von Ulf Goerke den Joystick bedienen.
Kurz zuvor zeigen She She Pop im tanzhaus nrw als Koproduktion mit dem FFT ihr nicht mehr ganz neues Stück „Frühlingsopfer“. Es ist die logische Fortsetzung ihres vor Jahren höchst erfolgreichen Abends „Testament“, in dem die Truppe mit ihren Vätern über Erben, Tochterpflichten und väterliche Erwartungen verhandelte. Nun sind die Mütter dran. Dass Töchter zu Müttern spezielle Beziehungen pflegen, lässt sich schon daran ablesen, dass die ältere Generation nur als Video präsent ist – und dass die Kommentare der jüngeren Generation deutlich klarer ausfallen als gegenüber den Vätern. Es geht um das Opfer, das die Mütter gebracht haben: Für den Mann, für die Familie, für die Kinder, letztlich für die Gesellschaft. Eine große Arie des Verzichts, der in unserer individualistisch aufgemotzten Gesellschaft gerade nicht en vogue ist und der bei den AkteurInnen auf Widerspruch trifft. Und es geht um das Bild der Mutter, das von den Nachkommen kontrolliert, vielleicht auch auf die Opferrolle festgeschrieben werden muss. Johanna Freiburgs Geständnis, wie schwer sie das Bild der auf Partys tanzenden Mutter ertragen hat, spricht Bände. Anders als bei „Testament“ spielt diesmal der Tanz eine große Rolle. Igor Strawinskis titelgebende Komposition „Le sacre du printemps“ wird nicht nur vollständig eingespielt, sondern in eine Choreografie umgesetzt, die vielleicht in ihrem therapeutischen und gelegentlich rituellen Charakter auch den Raum eröffnet, um überhaupt übereinander sprechen zu können.
„Frühlingsopfer“ | R: She She Pop | FFT im tanzhaus nrw | 24./25.4.20 Uhr | 0211 17 27 00
„Am Boden“ | R: Ulf Goerke | Düsseldorfer Schauspielhaus | 7.5.(P), 13.5. je 19.30 Uhr, 31.5. 18 Uhr | 0211 36 99 11
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