Spielerischer Ausbruch aus der Realität: „Sonatine“ von Takeshi Kitano
Foto: Rapid Eye Movies

Spiel des Lebens

26. Februar 2015

Filme über Betrug, Sucht und Flucht – Festival 03/15

Seit vielen Jahren schon koordiniert das Filmforum die Programmpunkte der einzelnen Institutionen, die das Kino im Museum Ludwig bespielen. Einmal im Jahr hingegen gibt es eine gemeinsam kuratierte, filmhistorische Reihe, die das Medium unter verschiedensten Aspekten beleuchtet. Bislang fanden diese Reihen zu Themen wie Film und Theater, Film und Architektur, Filmmusik oder dem komischen Film in der ersten Jahreshälfte statt. Mit dem neuen Zyklus strebt man nun ein kontinuierliches Programm über das gesamte Jahr hinweg an. Die neue Reihe startet mit den Themen „Spiel“, „Geld“ und „Müßiggang“.

Die ersten acht Filme widmen sich dem „Spiel“. Das erscheint zunächst allzu naheliegend, ist Film doch generell ein Spiel. Aber Film kann das Thema Spiel auch explizit auf die unterschiedlichste Art verhandeln. Den Anfang macht Preston Sturges‘ Screwball-Comedy „Die Falschspielerin“ von 1941. Hier trifft eine Betrügerin (Barbara Stanwyck) auf einen naiven Millionärssohn (Henry Fonda) und verliebt sich versehentlich in ihn (19.3., 19 Uhr). Das Thema manifestiert sich auch im zweiten Beitrag bereits im Titel: Fritz Langs zweiteiliger Film „Dr. Mabuse, der Spieler“ mit einer Gesamtlänge von 270 Minuten ist ein Abbild der dunklen Seite der Weimarer Republik. Der Film wird mit Klavierbegleitung gezeigt (12.4., 15 Uhr & 18.30 Uhr). Jean Renoirs selten gezeigtes, subversives und dennoch leichtfüßiges Gesellschaftsporträt „Die Spielregel“ von 1939 gilt vielen als einer der besten Filme der Geschichte. In einer Jagdgesellschaft entfaltet sich während eines Wochenendes allerlei Begehren. Doch die gesellschaftliche Norm verlangt, dass die Spielregeln eingehalten werden (29.4., 19 Uhr). In seinem nicht minder gefeierten Film „Das siebente Siegel“ von 1957 betrachtet Ingmar Bergman ein ganz universelles Spiel: Es ist das Schachduell zwischen dem Sensenmann und einem Todgeweihten während einer Pestepidemie. Der Film mit Bibi Anderson und Max von Sydow ist ein existentialistischer Diskurs über Leben und Tod und die Frage nach Gott (13.5., 19 Uhr).

Wieder sehr weltlich geht es in „Cincinnati Kid“ mit Steve McQueen, Edward G. Robinson, Karl Malden und Tuesday Weld zu. Ursprünglich sollte Sam Peckinpah Regie bei dem Film um ein Pokerduell führen, aber nach einem Streit übernahm Norman Jewison. Der unglaublich spannende Showdown wird hier nicht mit Pistolen, sondern mit Pokerkarten ausgetragen (27.5., 19 Uhr). Wo es hier noch um Psychologie und Suchtverhalten geht, porträtiert Martin Scorsese 1995 in „Casino“ mit Robert De Niro und Sharon Stone in den Hauptrollen eine ganze Branche und ihre Verwurzelung im organisierten Verbrechen. Gewohnt brutal und zugleich visuell faszinierend inszeniert, erzählt er vom Aufstieg und Fall eines Spielers (18.6., 19 Uhr). Eine wohl einzigartige Mischung aus brutalem Mafiadrama und kindlichem Spieltrieb hat der Japaner Takeshi Kitano 1993 mit „Sonatine“ geschaffen. Die Qualitäten seines selbstreflexiven Meisterwerks kann man über die Story kaum erfassen – dieses verspielte Kino muss man erlebt haben (3.6., 19 Uhr). Ab August widmet sich das Filmforum dem Thema Geld, im Januar 2016 folgt der Müßiggang. Vor den Filmen gibt es jeweils einen Einführungsvortrag.

Filmgeschichten: Spiel – Geld – Müßiggang | Filmforum im Museum Ludwig | 19.3.-18.6.

CHRISTIAN MEYER

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