Es passt zusammen und erhellt sich gegenseitig: Derzeit sind im Museum am Aachener Weiher zwei Ausstellungen zeitgenössischer Kunst aus Ostasien zu sehen, die mit malerischen und graphischen Mitteln auf dem Umgang mit der Linie beruhen. Der Chinese Jianfeng Pan erzeugt mit dem Pinsel und einer breiten schwingenden Bewegung Ausdruck und Verinnerlichung, aber auch Vitalität und Rhythmus. Der eine Generation ältere Japaner Tanaka Ryōhei führt seine Radierungen mit feinen Strichen zu einem dichten Rapport, der introvertiert und extrovertiert zugleich ist. Während Pan an Traditionen der Tuschmalerei und der Kalligrafie in China anschließt, ist Ryōhei ein Pionier der Tiefdrucktechnik der Radierung in seiner Heimat gewesen. Gemeinsam ist ihnen der sparsame Umgang mit Farbe, ja, die weitgehende Konzentration auf Schwarz und Graustufen mit dem Weiß als Papiergrund.
Der Rundgang beginnt mit einer monumentalen Tuschzeichnung von Jianfeng Pan (*1973), in der sich eine Figur andeutet, die er auch als (mentales) Selbstporträt versteht. Entstanden ist sie in einer Mal-Performance unter engagiertem Körpereinsatz am Eröffnungsabend, die auf einem Monitor aufgezeichnet ist. Daneben findet er zu weiteren Ausdrucksformen, ist überhaupt vielseitig. Ausgestellt sind mehrteilige Hängerollen, die im Changieren des aquarellartigen schwarz-grauen Gestus landschaftliche Anmutung, Naturerfahrung und geistige Verfassung verschmelzen. Ähnlich spektakulär wirkt die langgestreckte Darstellung eines Faltbuches in Vitrinen. Sie zeigt eine dynamische farbige Fantasielandschaft, in die Kreaturen verwoben sind und seine visuelle Variabilität als Grafikdesigner vermitteln.
Jianfeng Pan, Lost and Found, 2024, Chinesische Tusche, Goldfarbe, Xuan-Papier, drei Blätter als eine Hängerolle montiert, © Jianfeng Pan 2024Getrennt durch die Ausstellung von Porzellan der Ming-Dynastie folgt Tanaka Ryōhei (1933-2019) mit Räumen der Stille, trotz der dichten Hängung seiner rund 160 kleinformatigen Radierungen. Wo Pan Bewegung und Veränderung vermittelt, halten die gegenständlichen Situationen von Ryōhei inne. Erwendet sich der Natur, den Bäumen und besonders denReetdächern der Bauernhäuser und Tempel zu.Auchgibt er die Maserung von Holz und die Struktur von Stein oder schon einen Kürbis virtuos und naturalistisch wieder. Er widmet sich dem Geäst im Vordergrund und bezieht dahinter den Himmel ein und zwar so, dass sich das Gefühl sehr langen intensiven Schauens einstellt. So einfach die Motive sind, so komplex ist die Herstellung der Radierungen, die teils als Aquatinta subtil über Farbtöne verfügen. Die Blätter sind in Auflagen entstanden, deren Höhe vom zunehmend internationalen Markt bestimmt wurde. Selbst hat er sich aus allzu großer Öffentlichkeit zurückgezogen und lieber konzentriert alle Stadien der Entstehung seiner Radierungen begleitet. Pan wiederum ist 2016 von Shanghai nach Porvoo in Finnland gezogen, er spricht von einem „Selbstexil“. Es gibt ein Foto, auf dem sein Haus in Schnee versinkt. Ryōhei hat in seinen Radierungen Schnee dargestellt und dazu das weiße Papier in der Umkehrung von Positiv- und Negativform einbezogen. Auch das geht, ganz wunderbar, rein mit der Linie.
Tanaka Ryōhei – Von der Linie zur Landschaft | bis 21.9. | Jianfeng Pan – Tuschewanderung | bis 9.11. | Museum für Ostasiatische Kunst | 0221 22 12 86 08
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