Linksterror, Rechtsterror, islamistischer Terror, Volksterror, Einzelterror, sozialrevolutionärer Terror, Staatsterror – die Kategorien für „Schrecken“ sind vielfältig und damit mögliche Multiplikatoren der Angst. Wie verwenden Einzelne, Massen und Medien den Begriff „Terror“, um Meinungen zu formen? Dieser Frage geht das Ensemble 1000&Ein Kollektiv in der Performance „Terrorist:innen“ am Orangerie Theater nach.
Lediglich eine Antwort darauf scheint kaum möglich. Im Zuge drei ausverkaufter Darbietungen im Saal des Orangerie Theaters bietet das zwölfköpfige Kollektiv aus Laiendarsteller:innen über 70 Minuten simple biskomplexe Erklärungen. Die Geschichte der Gewalt gegen Systeme und/oder einzelne Menschen macht aus Freiheits- und Widerstandskämpfer:innen linke Aktivist:innen, Steinewerfer:innen, die sich hervorragend als potenzielle Mörder:innen an Politiker:innen oder Repräsentant:innen des Kapitalismus anbieten. Träger:innen der Kufiya, des „Palästinensertuchs“, eignen sich besonders gut als wandelnder Ausdruck von Antisemitismus mit unbedingtem Willen zur Zerstörung des Staates Israel, und die blutige Niederschlagung von Protesten gegen manipulierte Wahlen wird von Machthaber:innen gerne mit der Aufrechterhaltung des inneren Friedens gerechtfertigt. Im Zweifelsfall ist immer alles extrem.
Der sarkastische Lehrsatz wird in „Terrorist:innen“ nach bewährtem (Schultheater-) Muster in fließender Form als Anhäufung von Szenen zu verschiedensten tagespolitischen Themen angewandt. Das erfüllt den Auftrag der Kunst als Chance zur konstruktiven Gesellschaftskritik, die mitunter stakkatoartige Abwicklung der Texte offenbart sich aber noch als Versuch, Lautstärke und Tempo zu variieren. Da es sich bei den Darsteller:innen nicht um Profis handelt, darf hier jedoch nicht der gleiche Maßstab gelten. Vielmehr ist hervorzuheben, dass sich die jungen Menschen nach Arbeitsschluss für eine kreative Beschäftigung entschieden haben, anstatt zuhause über den Zustand der Welt zu lamentieren. Das Regieduo Isabella Kolb und Asim Odobašić und Choreografin Tatiana Feldmann setzen in der Produktion zudem zielsicher auf chorisches Theater. Damit treffen sie einen Nerv, denn die 200 gecasteten Bewerber:innen bündeln im Kollektiv ihre Stärken in Artikulation und Tanz, während individuelle darstellerische Schwächen nicht auffallen.
Dem engagierten Projekt seien nach lediglich drei Auftritten im Februar die weiteren Termine im April gegönnt. Mit einer Komprimierung auf eine Stunde würde sich „Terrorist:innen“ aber auch für eine Aufführung an Bildungseinrichtungen anbieten und den Politik- bzw. Geschichtsunterricht aufwerten. Die vielleicht größte Bedrohung für Freiheit, Gerechtigkeit und Fortschritt stellt der subtile Terror einer desinteressierten Zivilisation dar, die in Geschäftsanzügen von Armani oder Jogginghosen von Lidl an den Börsen und auf Social-Media-Plattformen spekuliert. Die Macht der Worte folgt uns auf diesem Weg als Licht oder Schatten.
Terrorist:innen | 8., 9.4. | Orangerie Theater | 0221 952 27 09
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